Spaziergang am Jahreswechsel

Foto: Harald Hans Vogel

Foto: Harald Hans Vogel

Die Feiertage sind was Schönes! Das gute Essen, die Ruhe im Haus, das Nickerchen auf dem Sofa, der Tanz der Schneeflocken draußen und das flackern einer Kerze vor dem Plätzchenteller, alles trägt dazu bei dass man schön entspannt einmal ohne Stress oder Hektik in den Tag hinein kommt. Es ist schön, wieder einmal mit der Verwandtschaft und lieben Freunden, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat, beisammen zu sein und sich in Ruhe und Behaglichkeit über die Erlebnisse der vergangenen Zeit auszutauschen, die unmögliche Weltpolitik genauso wie das Agieren der Figuren im Stadtparlament oder in der Landespolitik kritisch unter die Lupe nehmen zu können.

Aber irgendwann muss man doch auch mal an die frische Luft und sich Bewegung verschaffen um sich Appetit zu holen fürs Abendessen. Die Gefahr einer Ozonvergiftung lässt sich zwar nicht ausschließen, aber wenn man nicht zu schnell läuft kann man das Risiko in Grenzen halten, meint der Kare, der früher fast einmal für die Reserve der 60er aufgestellt worden wäre. Also macht sich die ganze Gesellschaft auf und krabbelt die Stäffeli zur Strasse hinunter. Übern Käppnersteg und die Kapellenruh zieht man im Wiesengrund Richtung Waldmannsweiher.

Unter der Flutbrücke wurden wir von wilden Indianern und meterhohen Cowboys überfallen, die schon für den Fasching proben. Mit Pfeil und Bogen und großen Revolvern wurden wir attackiert. Die Tante Resi wehrte sich und schlug die Räuber mit „Aha“ und ihrem Regenschirm in die Flucht.

 

„Warum schreit man im Fasching immer >Aha<, manchmal sogar gleich dreimal hintereinander?“ Ja warum? Es gibt halt immer noch ungelöste Rätsel auf dieser Welt – vielleicht dass die Wissenschaftler was zum Tun haben.

An den Wänden und den Pfeilern konnten wir die Werke unbekannter Künstler bestaunen, die mit Fantasie und viel Farbe ihre Motive und Botschaften auf den Zement gesprüht hatten; Blumen und furchterregende Fratzen, Fischgräten in Silber und Gold, die „Tags“, die Autogramme, in kunstvoll verschlungenen Buchstaben und Wellenlinien rund um die Pfeiler….

Foto: Harald Hans Vogel

Foto: Harald Hans Vogel

Manche dieser Graffiti waren ganz hübsch …

Da zündete ein Gedanke in Ossis Kopf: “ Was haltet ihr überhaupt von den Gravitationswellen vom Einstein, die sie jetzt wieder gefunden haben? Ich meine, die haben ja mit die Graffiti nix zum tun, aber was denkt ihr euch da dazu?“

„Ist das der Bruder von dem Einstein, der in der Südstadt das Fahrradgeschäftla gehabt hat?“

„Ach wo, der ist doch schon seit 100 Jahren tot!“ korrigierte der Ossi, „das sind die Schwerkraftwellen, wo erst jetzt wissenschaftlich bestätigt worden sind, mit riesigen Apparaten und wo die dafür vermutlich den Nobelpreis kriegen.“

Langsam bewegte sich der Trupp weiter, die Kleinen werfen Kiesel und Steckeli in den Umgehungsbach und turnen zum Entsetzten der Mamas am Brücken-geländer herum.

Die Großen kauen immer noch auf dem Gravitationswellenproblem herum. Solche wissenschaftliche Fragen müssen ja auch sorgfältig angegangen werden, da muss man schon aufpassen, dass kein Unsinn in die Welt gesetzt wird. Die Tante Rosi, die Schwester von der Tante Resi meinte dann, nachdem sie die Vorträge aufmerksam verfolgt hatte, dass ihre Migräneanfälle bestimmt schon damit zusammenhängen müssen, weil die Wellen und die Anfälle immer zur gleichen Zeit passieren. Und der Franz, ihr Mann, konnte bestätigen, dass er die Gravitations-, sprich Schwerkraftwellen auch schon bemerkt hat: Ohne millionenteure Apparate! Jeden früh, wenn er aufstehen soll, muss er furchtbar gegen die Gravitation ankämpfen, wenn ihn eine Welle nach der andern wieder zurück aufs Kopfkissen schmeißt.

Na ja, das wäre aber doch jetzt schon eine Vorlage für die zwei, die Waltraud und das Mariechen vom Berolzheimer, die könnten da doch einen schönen Sketch draus machen. Und den dann in Veitshöchheim aufführen, vor allen Großkopferten und den Ministern samt dem ihrem Chef, dem Herrn Ministerpräsidenten!

Und danach, wenn sie auf der Bühne geehrt werden und der Sitzungsleiter wieder das übliche „dreimal donnernd Aha“ schreien lassen will „täte ich ihn,“

so meint der Ossi, unterbrechen: „zweieinhalbmal reicht auch: “

Fürth : AHA

Berolzheimer : AHA

Altstadtverein : Ahhhhhh!!!

(Text: Paul Altmann)