Altstadtverein St. Michael Fürth

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Ausgabe 38


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Die Wandmalereien im Lochner’schen Gartenschlösschen in Fürth

Aufgrund häufiger Nutzungsänderungen und somit ständiger Renovierung und Umdekoration sind heute in der Profanarchitektur farbige Ausmalungen in Wohnräumen eher seltener anzutreffen als in Sakralräumen. Dass wir heute dennoch am Lochner’schen Gartenschlösschen eine als überaus qualitätvoll und umfassend zu bezeichnende Befundsituation vorfinden, ist nicht dem schonungsvollen Umgang in vorangegangen Zeiten zu verdanken, als eher der überaus reichen polychromen Dekoration durch Pfarrer Lochner. Bereits durch die Ergebnisse erster Voruntersuchungen am Gebäude Theaterstraße 33 im Jahr 1997 war ersichtlich, dass neben einer farbigen Fassung an den Fassaden auch im Innern des Hauses reichhaltige Bemalungen die Raumschalen des 18. Jh. beherrschten. Die Befunde reihen sich somit in bereits bestehende Ergebnisse an Vergleichsobjekten dieser Zeit ein (beispielhaft für Fürth sei hier das Anwesen Königstraße 89 – heutiges Jüdisches Regionalmuseum Franken/ehemals Anwesen des Parnoß Hirsch Fromm, erbaut 1704 - genannt).

Wandsegment (7) mit Vorbild, dem Pantheon in Rom.

Während das Erdgeschoss an der dem Garten zugewandten Ostseite in Sandstein ausbildet ist, sind die Obergeschosse in Sichtfachwerk gefertigt. Die Stein- und Putzflächen wurden zur Erbauungszeit vollständig mit einem hellroten Anstrich, die Fachwerkzonen mit ockerfarbenem Anstrich versehen. Der heute noch festzustellende, stark fragmentierte Bestand unter Altinstallationen und Regenfallrohren lässt auf eine späte, mechanische Entfernung der Farbanstriche, vielleicht erst in den ersten Jahrzehnten des 20. Jh., schließen. Die Wand- und Deckenflächen untergeordneter Räume weisen farbig gefasste Holzwerkteile (Sichtfachwerk und Deckenbalken bzw. Balken- Bohlen-Konstruktionen) zu weiß gekalkten Gefacheflächen auf. Gemäß einer lang anhaltenden Tradition reicht die Farbe der Holzwerkteile als so genannter „Beistrich“ mit schwarzer Begleitlinierung in das Gefachefeld hinein. In den größeren Räumen der Obergeschosse sind Ausmalungen in unterschiedlichster Qualität und Quantität anzutreffen. Von Architekturmalereien wie Fensterumrahmungen (anstrichtechnisch imitierte Werksteineinfassungen) bis zu Medaillons mit Landschafts- und szenischen Darstellungen. Neben den ausführungstechnischen Merkmalen verweist eine Datierung der Bemalungen im zweiten Obergeschoss mit 1720 auf die Ausführung unter Pfarrer Lochner, der bis 1725 im Besitz des Gebäudes war.

Gesamtansicht der Südwand mit Anordnung der Einzelbilder

Aus den vorangegangenen Untersuchungen war das Vorhandensein polychromer Malereien im nördlichen Bereich des 1. Dachgeschosses (Querhaus) bereits bekannt, jedoch nicht deren formale Ausbildung und der Erhaltungsumfang. Mit dem behutsamen Rückbau von Überformungen und Vorschalungen durch einen Kirchenmaler und einer angegliederten, systematischen Untersuchung des Bestandes von Wandrestauratoren, verdichteten sich die Hinweise auf den umfassenden Erhalt äußerst qualitätvoller Wandmalereien.

Nach ersten Notsicherungen folgten so Pilotarbeiten zur Konservierung und Restaurierung in gemeinsamer Arbeit mit den Werkstätten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege.

Hierbei wurde auch die Möglichkeit einer vollständigen Freilegung dieser Malereien geklärt.

 

Die Malereien im Saal des nördlichen Dachquerhauses

Der Bildträger (Kalk-Sand-Putz) überspannt im Wandbereich vollflächig die Holzfachwerkkonstruktionen. Für eine verbesserte Anbindung der Putzlage wurden die Hölzer mit Holznägeln versehen und der Verputz der Unterputzlage mit Tierhaaren versetzt. Die Decke ist als Balkendecke mit Putzgefachen ausgebildet.

Die Malereien sind als Secco- Malereien in mehreren deckenden und lasierenden Schichten auf den trockenen Putzgrund aufgebracht.

Auf den Wandflächen des Saales sind in freier Malerei große, rote Blattranken auf einem hellrot getönten Grund gemalt. Sie reichen von der Fußbodenoberfläche bis zur Deckenfläche. Mittels Licht- und Schattensimulierung durch helle und dunkle Modellierung wird eine hohe Plastizität erreicht. Durch das Ausmaß der Rankenbemalung entsteht für den Raum der Eindruck einer Art Tapezierung. Die Malerei berücksichtigt die Fenster sowie die dazwischen und auf den freien Flächen angeordneten, etwa 30 cm über den Fensterbrüstungen ansetzenden, gemalten Bildrahmen. Die Bildrahmen imitieren barocke Galerierahmen mit Goldradierung (= die Glanzvergoldung von Bilderrahmen wurde hierbei von schwarzer Farbe überdeckt, welche anschließend wieder mit einem Holzgriffel im Verlauf der zu erzielenden Ornamentik herausradiert wurde).

Wandabwicklung: (1) Wappenkartusche über der Saaltüre (noch nicht vollständig freigelegt; formal daher bisher nicht geklärt); (2) Teilfreilegung: Flusslandschaft; im Hintergrund Stadtdarstellung mit Befestigung. Gesamtdarstellung bisher nicht geklärt; (3) + (4) Bildbereich bisher nicht geklärt; (5) In Teilbereichen erkennbar: Berglandschaft. Gesamtdarstellung bisher nicht geklärt; (6) Teilfreilegung: Rind im Wasser stehend, im Hintergrund Wasserkaskade. Restlicher Bildbereich bisher nicht geklärt. (7) Teilfreilegung: Landschaft und Darstellung des Pantheons. Restlicher Bildbereich bisher nicht geklärt; (8) Teilfreilegung: Blick auf eine Hügellandschaft. Im Vordergrund ein Weg am Waldrand mit Reitern und Hund. Restlicher Bildbereich bisher nicht geklärt; (9) Bildbereich bisher nicht geklärt; (10) Bildbereich bisher nicht geklärt; (11) Teilfreilegung: sich im Wind biegende Bäume, restlicher Bildbereich bisher nicht geklärt; (12) Teilfreilegung: Teil der Nürnberger Stadtbefestigung, restlicher Bildbereich bisher nicht geklärt; Decke: im Gefachbereich Befunde zu einer farbigen Blattrankenbemalung.

Die Bilder selbst sind in Stil und Technik von Staffeleibildern auf Leinwand dieser Zeit gehalten. Die durchgeführten Probefreilegungen umfassen bisher nur Teilbereiche und so erschließen sich zum jetzigen Zeitpunkt nur Bruchstücke des Bildprogramms. Neben figürlichen Darstellungen wie Reitern auf Pferden sind malerische Landschaften und Architekturabbildungen zu finden, die sich u. a. auf das Vorbild der Nürnberger Stadtbefestigung sowie des römischen Pantheon zurückführen lassen. Über der Eingangstüre ist ein Wappen aufgemalt. Auch dieses ist bisher noch nicht ausreichend über Freilegung erschlossen.

Wandsegment (2), Flusslandschaft mit befestigter Stadt. Wandsegement (12), Teile der Nürnberger Stadtbefestigung.

Nach Rettung des Denkmals Lochner´sches Gartenschlösschen und Neunutzung durch eine behutsame Sanierung, wird angestrebt – in Abhängigkeit der zur Verfügung stehenden Geldmittel – die Konservierung und Restaurierung des Saalraumes durchzuführen. Der restaurierte Saalraum und die angefügte Präsentation der – durch Grabung und Fehlbodenanalyse von den Stadtarchäologen geborgenen – Funde (S. 34) sollen künftig wieder ein erlebbarer Teil der Stadt- und Sozialgeschichte innerhalb Fürths werden.

 

Claus Giersch

Claus Giersch ist ltd. Restaurator
Fachbereich Wand im Architekturbüro
C. Giersch u. H. Keim, Fürth

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