Altstadtverein St. Michael Fürth
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Ausgabe 38 |
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Kronach Der Ort Ein Fremder, der den Ortsnamen Kronach hört, denkt meistens an die Stadt in Oberfranken mit der Festung Rosenberg. Im Fürther Stadtgebiet gibt es auch ein Kronach, es liegt im Nordwesten bei Ronhof an der A 73. Sehr viele ältere Fürther kennen den Ortsteil noch aus ihrer Jugendzeit, der Ort war früher am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel. Kronach ist heute teilweise noch bäuerlich geprägt. In den letzten Jahrzehnten wurden sehr viele neue Häuser gebaut.
Der Schlagrahmdampfer „Hansi“ an der Anlegestelle in Kronach. Im Hintergrund der Gasthof Weigel. Die Aufnahme ist auf 10. Juni 1936, 13 Uhr, datiert, allerdings lassen die blattlosen Bäume eher ein Herbstfoto vermuten. Foto: F. Vitzethum. Geschichte Im Jahre 1225 wird in einer von König Heinrichs VII unterzeichneten Urkunde der Ort „Kranach“ erstmals genannt. Vielleicht bezieht sich der Ortsname nicht auf Kran, sondern auf den Vogel Kranich. Das Grundwort -ach gehört eventuell zu der althochdeutschen Bezeichnung für Wasser und Strömung. 1430 verwüstete ein hussitische Heer die Gegend, sodass die Landbevölkerung in die Stadt Nürnberg flüchtete. 1502 ist die Schreibweise „Kronach“ und 1531 „Cronach“. 1552 brannten die Soldaten des Markgrafen Alcibiades Bauernhöfe und Häuser nieder. Die Bevölkerung von Kronach hatte auch im Dreißigjährigen Krieg sehr zu leiden. Die Bewohner flüchteten in die benachbarten Wälder oder nach Nürnberg. Der ganze Ort wurde ausgeplündert. Nach der Schlacht an der Alten Veste 1632 wurden die Häuser von Kronach in Brand gesteckt. Erst lange Jahre danach kehrten die Bewohner langsam zurück und bauten ihre zerstörten Häuser wieder auf. Um 1600 wurde zum ersten Mal der Tabak angebaut, um 1680 folgte der Kartoffelanbau. 1732 wurde Kronach mit Ronhof zu einer Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gemeinde hatte damals schon eine eigene Gemeindeordnung. Im Verlaufe des Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 fanden auch in Kronach Einquartierungen statt und zwar mit Soldaten von Friedrich des Großen. Die erste Häusernummerierung erfolgte 1792, die zweite kurz nach 1800 und die dritte im Jahre 1929. 1796 kam Kronach nach Bayreuth. Am 23. Dezember 1800 wurde Kronach durch die Franzosen besetzt. Im Jahre 1809 kam der Ort zum Königreich Bayern. 1886 gründete sich die Freiwillige Feuerwehr Ronhof/Kronach. Durch die Spielvereinigung Fürth ab 1910 erlebte der Ort einen großen Aufschwung. Damals waren bis zu 25.000 Besucher im Ronhof anwesend, die nicht zum geringen Teil nach Schluß des Spieles nach Kronach wanderten. Am 14. März 1927 stellte die Gemeinde Ronhof/Kronach bei der Regierung in Ansbach einen Antrag um die Einverleibung nach Fürth zu genehmigen. Das Bayerische Staatsministerium des Innern genehmigte am 15. Juli 1927 die Vereinigung mit Wirkung zum 1. Juli.1927 und so wurde die Gemeinde Ronhof mit Kronach an diesem Tag nach Fürth eingemeindet. Kanalbau Als am 1. Juli 1836 die Arbeiten zwischen Nürnberg und dem Bugberg nahe Bamberg für den Kanal begannen, empfahl die Stadt Fürth ihren Almosenempfängern, sich für diese Arbeit zu melden. Dann hätten sie einen guten Lohn und Arbeit auf Jahre hinaus. Leider war das Interesse nicht allzu groß. Nur vier Arbeitswillige hatten sich beworben. Kurzerhand strich die Stadt Fürth die rüstigen Almosenempfänger von der Unterstützungsliste. Das brachte erst den gewünschten Erfolg. Rasch ging der Bau des Kanal voran. Zeitweise waren 9.000 Arbeiter beschäftigt. Besonders die Strecke Fürth-Erlangen erzielte gute Fortschritte. Allerdings machte sich beim Bau der vorgesehenen Brükken und Schleusenkammern ein Mangel an fachkundigen Steinhauern bemerkbar. Die anliegenden Gemeinden erhielten durch die vielen Arbeiter einen gewissen Aufschwung. Am 6. März 1843 wurde der Ludwig- Donau-Main-Kanal von Nürnberg nach Bamberg eröffnet. Der Wasserstand des Kanal war nur 1,45 Meter tief, bei einer Wasserspiegelbreite von 15,7 Metern. Schlagrahmdampfer Viele ältere Fürther erinnern sich noch an die breiten Kähne, die von Pferden gezogen schwerbeladen den Kanal entlang fuhren. Etwas mehr an Personenbeförderung kam zustande, als Lohnschiffer aus Miltenberg zwischen der Schleuse Nr. 80 in Doos und der Schleuse Nr. 81 nördlich von Kronach eine Art von Taxidienst versahen. Das gefiel einem Wirt namens Memmert, der den Gasthof im Kronach betrieb, überhaupt nicht. Kurzentschloßen wurde ein Holzschiff mit dem Namen „Zille“ angeschafft, das Leute mittels Pferd von Doos nach Kronach brachte. Weil man im Gasthaus Memmert preiswert und reichhaltig bewirtet wurde, erwarb sich das Lokal einen guten Ruf. Bald sah man sich gezwungen, ein Motorschiff bei einer Regensburger Werft zu bestellen, das den Namen „Antonia“ erhielt. Kurze Zeit folgte die „Karl“ mit der gut 120 Personen fahren konnten. 1926 kam letztendlich noch die „Hansi“ mit 60 Sitzplätzen dazu. Dieses Schiff war Eigentum von Hans Weigel aus Großgründlach, dessen Frau eine geborene Memmert war. Der Namensgeber für dieses Boot war sein Sohn Hansi. Weigel hatte auch schon die anderen Schiffe gesteuert. Allerdings war hier der Erwerb eines Kapitänspatentes die Voraussetzung. Die Uniform war der Bestandteil des täglichen Dienstes während der Personenbeförderung. Sehr viele erinnern sich noch an die Schlagrahmdampfer (Hans, Karl und Antonia), die von der Fürther Stadtgrenze nach Kronach fuhren. Beim Gasthof Weigel traf man sich bei Kaffee und Schlagrahm mit Freundin und Feindin. Das Baden im Kanal war sehr beliebt. Im allgemeinen hatte man nicht nur im Sommer am Kanal seine Freizeiterlebnisse. Auch die Wintermonate boten für talentierte Schlittschuhläufer ausreichend Möglichkeiten, auf dem gefrorenen Wasser des Ludwigskanal zu fahren. Die älteren Fürther können sich auch noch an die Kanalbirnen und die nicht selten recht holzigen Äpfel erinnern, die auf den zahlreichen Obstbäumen entlang des Kanales heranreiften. Sie reichten zumeist aus, um den Hunger an Ort und Stelle zu stillen. Ende der Schifffahrt Gleich zu Kriegsbeginn war das Ende der Kaffeefahrten durch den akuten Bezinmangel eingetreten, was von allen zutiefst bedauert wurde. Während der Kriegsjahre lagen die Schiffe in Kronach vor Anker und warteten auf bessere Zeiten. Die Hansi wurde 1944 verschrottet. Die „Karl“ und die „Antonia“ sollten noch im Bremer Hafen eingesetzt werden. Aber die „Antonia“ gab schon einige Kilometer nach dem Passieren der Schleuse Nr. 84 in Richtung Erlangen ihren Geist auf. Nach Ende des Krieges kam kein Frachtschiff mehr auf dem Kanal zum Einsatz. Bei den Kampfhandlungen in den letzten Kriegstagen 1945 sprengten die deutsche Soldaten die Kanalbrücke bei Kronach. Obwohl sie wieder aufgebaut wurde, war die Zeit der Schifffahrt vorbei. Nach und nach verschwand das Wasser nun auch in diesen Teilstrecken. Bulldozer und Lastwagen räumten dann ab dem 15. Mai 1969 endgültig die romantische Vergangenheit des total ausgetrockneten Ludwig-Donau- Main-Kanal ab, der auf weiten Strecken recht dicht mit Buschwerk verwildert war. Der Anfang für den Bau der Schnellstraße A 73 zwischen Nürnberg und Bamberg war gemacht. Und nichts erinnert uns heute an die totale Ruhe, die am und neben dem Kanal herrschte. Heute ist dort der Lärm von der A 73 zu hören. Eisenbahn Im Jahre 1846 wurde die Eisenbahnlinie der Nord-Süd-Bahn, die bei Kronach östlich vorbei führte, eröffnet und 1876 stillgelegt, weil sie dann über Fürth geleitet wurde. Die Reste des alten Bahndamm sind heute noch teilweise zu sehen. Die Deutsche Bahn möchte in den nächsten Jahren eine unterirdische Güterschienentrasse mit vier Gleisen von der Stadtgrenze entlang an der A 73 in Richtung Erlangen errichten. Die geplante Tunnelausfahrt liegt hinter dem Gasthof Weigel.
Robert Schönlein |