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Ausgabe 38


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Happy Oldtime Jazz aus Franken

Kaum eine Formation zieht alljährlich bei unserer Altstadtweihnacht so viele Menschen an wie die SRS - Jazzmen. Und das, obwohl die Wurzeln der SRS - Jazzmen als Band in die 1960er Jahre reichen und jene des Musikstils schon Ende des 19. Jahrhunderts ausschlugen.

Gerhard Loos pflegt den Jazz seit dreißig Jahren und hält die Jazzmen zusammen.
Foto: A. Mayer

Bandleader Gerhard Loos hat die Band über die Zeit zusammengehalten, wenn es dabei auch manchen Wechsel gegeben hat. Zuerst nannte sich die Formation „Swinging Reed Section“, weil sie ohne Trompete und Schlagzeug nur mit Rohrblattbläsern (Klarinetten, Saxophone) und Saiteninstrumenten Dixie und Swing spielten (engl. „reed“= Rohrblattinstrument). In der jetzigen Besetzung jazzen sie nun über 20 Jahre lang. Seit der zweiten Altstadtweihnacht im Jahre 1981 sind sie alljährlich dabei, auch am Grafflmargd haben sie schon gespielt und wir hoffen, sie im Jahre 2004 für den Samstag-Frühschoppen engagieren zu können.

Was ist das Erfolgsrezept dieser Band? Als Zuhörer erspürt man eine quirlige Lebendigkeit, die vielleicht aus der Orientierung auf die Anfänge des Jazz rühren. Der New-Orleans-Stil entwickelte sich schon Ende des 19. Jahrhunderts, erst viel später kam der Swing mit seinen großen Big Bands, mit denen auch das Banjo – zuvor das Jazzinstrument schlechthin – verschwand. Es zeichnete sich damit schon eine weitgehende Anlehnung an die Musikpraxis Europas ab.

Die Ursprünge des Jazz lagen jedoch vor allem in Storyville, einem Stadtteil New Orleans, in dem sich „moralgefährdende Elemente“ massierten. Mit dem Eintreten der Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg meinten Staat und Stadt, hier Ordnung schaffen zu müssen, die „Szene“ wanderte angesichts wachsender Repressionen ab. Louis Armstrong und andere gingen nach Chicago, wo sie ihren New-Orleans-Stil weiterpflegten, wo er aber auch teilweise zum Chicagostil abgewandelt wurde. Etwa gleichzeitig entstand andernorts auch der Dixieland.

Die SRS - Jazzmen: Hans-Peter Albrecht (Schlagzeug), Gerhard Loos (Banjo), Ruppert Gubo (Bass), Robert Seitz (Klarinette, Saxophon), Jörg Bencker (Trompete, Gesang) und Hermann Krehn (Posaune, Gesang).

 

Was aber ist Jazz? Gerhard Loos meint hierzu: „Wie spielen westliche, klassische Harmoniefolgen im 4/4 Takt. Nur die Phrasierung ist anders, wir betonen die zwei“. Zum Verständnis: In der „westlichen“ Musik wird gemeinhin die eins stark und die drei schwach betont, die zwei und vier überhaupt nicht.

Aber zum Jazz gehört noch mehr, und gerade darin liegen die Stärken der SRS- Jazzmen. Jazz ist nicht so sehr eine bestimmte Art von Musik, sondern eine unverwechselbare Weise des Musikmachens, des Musizierens. Ähnlich wie beim Blues und beim Rock bestimmen Zwischenwerte und Abweichungen den Rhythmus, die Phrasierung der Melodie und die Tonbildung.

Wie schon oben angesprochen, lässt sich das am Rhythmus auch für Nichtmusiker erklären, hier treffen zwei Welten multikulturell aufeinander: Der europäische, straff gleichmäßige 4/4-Marschtakt mit seiner starken Betonung des ersten und der weniger starken des dritten Schlages kombiniert sich mit der Gegenbetonung der ursprünglich wohl afrikanischen Rhythmik, nämlich jener auf dem zweiten und dem vierten Viertel. So treffen zwei scheinbar unvereinbare Gegensätze aufeinander: entspanntes „Schlenkern“ und gespanntes Marschieren. Genau so bauen die SRS eine weiche Spannung auf.

Hinzu kommt die Improvisation, die letztendlich nach demselben Prinzip kombiniert wird (komponiert wird ja eben nicht), Gerhard Loos beschreibt die Praxis: „Die Grundharmonien sind fest, die spielen der Bassist und das Banjo, die Bläser spielen in diesen Harmonien frei, nur die Grundmelodie spielen wir zusammen.“

Charakteristisch sind im Jazz ebenso verschiedene Elemente der „unsauberen“ Tonbildung, als eine von vielen beispielsweise die blue notes, die einer verwandten Musikrichtung den Namen gaben.

In jedem Fall pflegen die SRS – Jazzmen diesen alten Musikstil in ihrer die Generationen übergreifenden Besetzung, zwischen ältestem und jüngstem Mitglied der Band liegen gut 20 Lebensjahre. Da aber Jazz alle gleichermaßen jung hält, fällt das niemanden auf. Und kalt wird es am Waagplatz auch bei 20 Grad minus zumindest dann nicht, wenn die SRS - Jazzmen da sind.

 

Alexander Mayer

 

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