Altstadtverein St. Michael Fürth
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Ausgabe 38 |
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Die archäologischen Untersuchungen am Lochnerschen Gartenhaus Die herausragende archäologische Untersuchung des Jahres waren die Sondierungen im Bereich des Lochnerschen Gartenhauses sowie die Fehlbodenuntersuchung im Gebäude. Die Grabungsschnitte im Hofbereich brachten zwar kleine Kostbarkeiten zu Tage (Abb. 1), aber der Verlauf der barocken Gartenmauer, die den Hof vom Garten trennte konnte nicht entdeckt werden. Auch die Wiederauffindung des barocken Gartenbrunnens (Abb. 2) geschah eher zufällig als durch einen gezielten Suchschnitt. Durch die Einmessung des Brunnens stellte sich sehr schnell heraus, dass die graphische Darstellung Boeners auf einem Stich von 1705 von den Proportionen her sehr zuverlässig ist. Damit konnte er auch nicht eher gefunden werden, weil er durch Hof- und Nebengebäude überbaut war. Leider ist der Brunnen hinter der Lochnerschen Gartenmauer nur schemenhaft zu erkennen, dass man gezwungen ist, gleichzeitige Darstellungen Boeners von entsprechenden Brunnen zu suchen, um sich eine Vorstellung von ihrem überirdischen Aufbau machen zu können. Neben seinen Abbildungen vom Grünen Markt, zeigt er diesen Brunnentyp auf dem Jüdischen Friedhof und einmal an der Alten Veste (Abb. 3). Wenn jemand einen solchen Ziehbrunnen im Original sich anschauen möchte, muss er schon bis nach Heroldsberg fahren, wo mehrere Brunnen erhalten geblieben sind.
Abb. 1: Spätbarockes Augenglas 18. Jhd. Foto Werner Neuartig an unseren Untersuchungen war diesmal, dass wir nach Herausnahme der Dielenböden, das lockere Material durchgesiebt haben, um so einen Überblick über verloren gegangene Kleinfunde im Gebäude zu bekommen. Erstaunlich hoch war das Aufkommen von Münzen, auf die im folgenden kurz eingegangen werden soll. Neben Münzen des 18. Jahrhunderts wurden auch jüngere gefunden, die in dieser Zusammenstellung aber unberücksichtigt bleiben. Daneben kommen eine 3 lb. Wertmarke des Getreidemagazins Fürth, eine Spielmarke sowie 1 1/2 ungeprägte Metallplättchen in der Größe eines Pfennigs vor, die vorläufig nicht datiert werden können. Die Funde sind zu unterscheiden in Bodenfunde aus dem Hofbereich und Verlierfunde aus den Untersuchungen der Fehlböden vom 4.6.2003 bis 11.8.2003 in den einzelnen Räumen des Gebäudes, deren dreistellige Bezeichnung nach Aufteilung des Sanierungsplans erfolgte, wobei die erste Ziffer das Stockwerk angibt.
Abb. 2: Reste des barocken Gartenbrunnens bei der Auffindung. Foto Werner Aus dem Überblick der Münzen ergeben sich einige Überlegungen, die wohl aufgrund der geringen Fundmenge keine Allgemeingültigkeit beanspruchen können, die aber nach dem jetzigen Stand der Dinge auf einige Besonderheiten hinweisen möchten, welche nicht unerwähnt bleiben sollen. Dabei sollte man den Gedanken im Hinterkopf behalten, wie repräsentativ zufällig verloren gegangene Münzen im Spiegel des Umlaufgeldes sein können. Die Aussagen beziehen sich ausschließlich auf den Bereich der gefundenen Kleinmünzen. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass von den 24 Räumen des Aufteilungsplanes bisher erst 7 Räume, also etwas weniger als 1/3 der Fehlböden untersucht worden sind, wobei ein Raum keine Funde erbrachte und das 1. Obergeschoss sehr stark vertreten ist. Die Räume des Erdgeschosses wurden nicht berücksichtigt. Das lag am Stand des Sanierungsfortschritts. In 6 Räumen des Gebäudes sind Münzen des 18. Jahrhunderts von vor 1705 bis 1792 zum Vorschein gekommen, einem viertel aller Räume mit insgesamt 20 Münzen. Seit der Umbauphase in den Zustand, den Boener in einem Stich von 1705 festgehalten hat, d. h. seit der straßenseitigen Erweiterung des Gebäudes, sind Münzen im Haus verloren gegangen (Abb. 4).
Abb. 3: Brunnen an der Alten Veste, Stich von J.A.Boener. 18. Jhd. Aus den Räumen 102 und 204 stammen auch jüngere Münzen, dass davon auszugehen ist, dass im 1. sowie im 2. Stockwerk nicht alle Dielenböden ab dem frühen 19. Jahrhundert versiegelt waren. In diesem Zusammenhang ist erwähnenswert, dass Münzen mit Prägejahren aus der Zeit als Fürth dem Königreich Bayern zugeteilt war, also ab der Zeit der selbständigen Entwicklung der Stadt bis zur Währungsreform 1871 vollkommen fehlen, obwohl wir wissen, dass Münzen aus dieser Zeit in Fürth verloren gegangen sind. Beim Umbau des Wilhelm-Löhe-Hauses am Kirchenplatz wurde 1996 eine 3 Kreuzermünze (Maximilian IV Joseph von 1805) gefunden. Die Münze wurde zwar zu Max-Josephs Kurfürstenzeit geprägt, muss aber aufgrund ihres abgegriffenen Zustandes im Königreich Bayern weiterhin Gültigkeit gehabt haben. Da sowohl diese wie auch die bayerische 3 Kreuzermünze aus dem Prägezeitraum von 1690 - 1705 in Raum 104 stark abgegriffen sind, kann man annehmen, dass die bayerischen 3 Kreuzermünzen relativ lang im Umlauf und damit wohl sehr beliebt waren. Die Fundlücke einer Prägezeit von etwas mehr als 100 Jahren - die Reihe der Fundmünzen des 18. Jahrhunderts wird in Raum 204 mit einem Reichspfennig von 1895 fortgesetzt, in Raum 302 durch datierbare Zeitungsfragmente von 1865 und 1873 die Lücke untermauert - ist aber besonders auffällig und sollte als gebäudehistorisches Anzeichen in Bezug auf eine Nutzungsänderung zumindest in Raum 204 interpretiert werden. Da dieser Raum mit Kaminanschluss beheizbar war, könnte es von Bedeutung sein dieser Frage nachzugehen.
Abb. 4: Fundmünzen aus dem Lochnerschen Gartenhaus 18. Jhd. Foto Werner Ordnet man die Fundmünzen - auch die vom Hof - nach ihrer Prägezeit, fällt auf, dass unter dem verloren gegangen Umlaufgeld mit mindestens 5 Exemplaren Münznominale älterer Prägung (vor 1705 bis 1728) vorkommen, bei denen es sich in Bezug auf Fürth um Fremdprägungen handelt, keine markgräflichen, bambergischen oder nürnbergischen Münzen dabei sind. Erst ab dem 5. Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts scheint sich der Umlauf von heimischen Prägungen durchgesetzt zu haben, besonders markgräfliche Pfennige und Kreuzer sowie Nürnberger Pfennige, während bambergische Kleinmünzen weiterhin fehlen. Hier ist für den Prägezeitraum von 1737 bis 1758 eine Art Mischphase zu beobachten, aus der sowohl heimische wie auch Fremdprägungen verloren gegangen sind (9 Münzen). Es stellt sich die Frage, ob mit dieser zeitlichen Stufung die Einführung des Konventionsfußes während der Mitte des 18. Jahrhunderts im Fürther Umlaufgeld greifbar wird, indem auch den heimischen Prägungen von da an mehr Vertrauen geschenkt wurde. Nach dem Prägejahr 1770 sind jedenfalls nur noch heimische Münzen (8 Exemplare) verloren gegangen. Mit insgesamt 8 Exemplaren sind die Nürnberger Pfennige in Prägungen von 1741 bis 1792 am besten vertreten (Abb. 5). Ein sichtbares Zeichen hat bei ihnen die Einführung des Konventionsfußes allemal hinterlassen. Es lässt sich beobachten, dass die Streifenhälfte hinter dem Spalt im kleinen Stadtwappen vor der Einführung von oben mit Silber beginnend, nach der Einführung mit Rot beginnend ausgeprägt wurde.
Abb. 5: Nürnberger Pfennige von 1741 – 1792, verschiedene Typen. Foto Werner Auch wenn die Überlegungen recht kühn erscheinen mögen, bleibt doch festzuhalten, dass aufgrund des hohen Aufkommens von Prägungen des 18. Jahrhunderts ein Indiz vorhanden ist, einen Großteil der übrigen Kleinfunde besonders aus den Räumen 104, 105 und 106 diesem Zeitraum zuzuordnen. Thomas Werner |