Altstadtverein St. Michael Fürth
Altstadtbläddla
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Ausgabe 38 |
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Zur Entstehungsgeschichte von Emskirchen Im Rahmen der Betreuung durch das Landesamt für Denkmalpflege engagiert sich die Arbeitsgruppe Archäologie nicht nur in der Altstadt von Fürth sondern auch im nördlichen Landkreis und damit zusammenhängenden Gebieten. Durch die Übernahme von Funden aus dieser Gegend in unseren Arbeitskeller im Rathaus und der erfolgten Entlastung der Räumlichkeiten auf der Nürnberger Burg wurde eine Auseinandersetzung mit dem archäologischen Fundstoff dieses Gebietes notwendig. Ein glücklicher Umstand bei der Sichtung des Materials war eine Kontaktaufnahme zum Heimatverein Emskirchen, der uns Funde zur Verfügung stellte, die beim Bau des dortigen Rathausanbaus 1986 zum Vorschein gekommen waren. Nach Absprache sollten die bearbeiteten Funde dann den Grundstock einer kleinen archäologischen Ausstellung im Heimatmuseum Emskirchen bilden. Um die Funde richtig einordnen zu können, mussten Informationen zur Ortsgeschichte zusammengetragen werden, die auch für die Fürther Ortsgeschichte aufschlussreich sein können. Ortsgeschichte lässt sich nicht isoliert beschreiben, sie muss auch im Umfeld der näheren Umgebung eingebettet sein. In Bezug auf Fürth ist Emskirchen deshalb so wichtig, weil hier die Stelle zu finden ist, bis zu der die Nürnberger Burggrafen (Markgrafen) im frühen 15. Jahrhundert das verbriefte Geleitsrecht auf der Strecke nach Würzburg erhalten hatten. Im Salbuch des Amtes Cadolzburg aus dem Jahre 1414 heißt es dazu: „Das geleyte ist der herschafft und gehort gen Cadolzczburg von Furter brucken bisz gen Emszkirchen in die Awrach das wasser und von Windsheim her wider auf bis gen Furte an die obgenanten prucken...“ Warum das Geleitsrecht in Emskirchen nur bis in die Mitte des Flusses reichte, möchten die folgenden Zeilen beleuchten. Abb. 1: Rekonstruktion eines aus drei Scherben zusammengesetzten Topffragments des 12. Jhds. Zeichnung: Thomas Werner Der Ortsname Mit der Nennung des Ortsnamens zusammen mit einem Personennamen im Urkundenbuch des Abtes Andreas vom Kloster Michelsberg in Bamberg, wonach 1136 „Pillunc von Emprehtschirchin“ 6 Mansen bei Ostheim dem Kloster schenkte, tritt Emskirchen ins Licht der Geschichte. In einer weiteren Urkunde von 1156, in der vom Würzburger Bischof Emskirchener Pfarrgut an das Kloster Münchaurach übereignet wurde, musste der „Castellan von Nürnberg“, Gottfried von Raabs, mit dem Gut Gerbodesdorf entschädigt werden, weil er – wie er zu Protokoll gab – die Pfarrei Emskirchen nach dem Lehensrechte von seinen (des Bischofs) Vorgängern her besaß. Die dort erwähnte Ortsnamensbezeichnung „Empichiskirchen“ weist auf einen alten Kirchen-Ortsnamen in Verbindung mit einem vorangestellten Personennamen, der in unserem Fall schon etwas verschliffen klingt. Es handelt sich um einen Ortsnamenstyp, der an eine veraltete Seelsorgeorganisation erinnert, die seit der Karolingerzeit das Eigenkirchenwesen hervorgebracht hat. Solche Ortsnamen nennen vielfach im Beziehungswort den Rufnamen ihres Gründers oder Eigentümers. Der Blick ins historische Umfeld richtet sich dabei auf Embricho von Leiningen, der im Gefolge der Könige bzw. Kaiser Lothar von Süpplingenburg und Konrad III von 1127 bis 1146 Bischof in Würzburg war und mit den Regalien wahrscheinlich auch den Dukat in Ostfranken erhalten hat. Der Rangau befand sich seit dem 30. Mai 1000, als Kaiser Otto III. dem Bischof die Grafschaften „Waltsazin“ (Waldsassen) und „Rangowi“ schenkte, im Besitz des Bistums. Embricho war sowohl Nachfolger als auch Vorgänger von Bischof Gebhard von Henneberg, der die zweite oben erwähnte Urkunde ausgestellt hat, weil dieser zwischenzeitlich abgesetzt war. Der Name für sich könnte ein Hinweis darauf sein, dass Nachkommen einer niederrheinischen Adelsfamilie (Emmerich, Embrick) am Ort mit rundherrschaften belehnt waren; ein Zeitpunkt lässt sich nicht festlegen. Auch der oben genannte „Pillunc“, den man als Verwandten der sächsisch/fränkischen Familie der Billunger/Billinge sehen möchte, deren ältester Vertreter Wichmann im frühen 10. Jahrhundert Graf im niederrheinischen Hamaland war und dessen Familie dann von Kaiser Otto I Aufgaben in Sachsen übertragen bekam, weist in die gleiche Richtung. Die Entstehung der Sachsen- Orte im Rangau ist für diesen Zeitraum von der Forschung bisher nicht in Betracht gezogen worden. Man war bisher davon ausgegangen, dass ihre Gründung auf Karl den Großen zurück zu führen sei als Konsequenz aus Karls Umsiedlungspolitik nach seinen Sachsenkriegen. Der Zusammenhang hier unterstreicht aber die Art und Weise wie Lothar von Süpplingenburg die Reichsministerialität an Mittel- und Niederrhein sowie in Sachsen gefördert und an sich gebunden hat. Es ist daher nicht auszuschließen, dass der Ortsname auf einen Embrecht, Embricho oder dessen Kurzform Emicho zurück geführt werden kann und mit Beziehung zum Bischof als Vorgänger des oben erwähnten Gebhard bereits zu Beginn des 2. Viertels des 12. Jahrhunderts bestanden hat. Einziger Beleg dieser Zeit ist das Fragment eines kleinen handgeformten Töpfchens aus dem oben genannten Fundkomplex (Abb. 1). Abb. 2: Der romanische Teil des Kirchturms der St. Kilians-Kirche Emskirchen. Foto: Thomas Werner. Die Ortsgründung Die enge Bindung an Würzburg wird auch in der Wahl des Patroziniums der St. Kilians-Kirche deutlich. Kirche und alter Pfarrhof lassen noch heute ihren Bezug zum Flussübergang erkennen und bilden die Keimzelle der Ortschaft. Ihre Entstehung wird demnach im Zusammenwirken von einem Ausbau der Verkehrswege einerseits sowie einer Landeserschließung der Kirchenherrschaft andererseits zu sehen sein, wenn man das späte Eigenkirchenwesen desfrühen 12. Jahrhunderts und die damit verbundene Kirchenordnung zu Grunde legt. Die rege Bautätigkeit des Embricho von Leiningen im Bistum ist von anderen Stellen urkundlich belegt. Der romanische Unterbau des Kirchturms scheint in der Zeit der Ortsgründung entstanden zu ein (Abb. 2). Alte und neue Grundherrschaften Die Übereignungsurkunde an das bambergische Benediktinerkloster Münchaurach von 1156 und eine Urkunde Friedrich Barbarossas vom 28. Januar 1158, in der der Nürnberger Burggraf Gottfried von Raabs als Vogt von Münchaurach bestätigt wird, belegen dann einen eingetretenen Wechsel in der Grundherrschaft. Wie diese in die Hände der Herren von Sekkendorff gelangt ist, die ab 1304 mit den Brüdern Friedrich und Heinrich von Seckendorff als Emskirchener Ortsadel auftreten, bleibt vorerst im Dunkeln. In ihrer Funktion als burggräfliche Ministeriale ist denkbar, dass sie anfänglich auf burggräflichem Vogteilehen gesessen haben. Die 1304/06 und 1319 empfangenen Güter des Friedrich sind aber im ältesten Lehenbuch des Hochstifts Würzburg verzeichnet, wodurch deutlich wird, dass neben dem Vogteilehen für das Kloster in Münchaurach weitere würzburgische Lehen in Emskirchen vorhanden waren und das obere Aurachtal als Grenzbereich der Grundherrschaften zwischen Würzburger Fürstbischöfen und Nürnberger Burggrafen als Lehensträger des Bistums Bamberg gesehen werden muss. Am 2. Februar 1361 kaufte die Burggräfin Elisabeth von Henneberg, Witwe des Burggrafen Johann II von Nürnberg, von Friedrich von Seckendorff, dem Neffen des oben Genannten, Emskirchen um 1210 Pfund Heller. Offensichtlich handelt es sich dabei um heimgefallenes Erbgut der Witwe Heinrichs Offmei (3. Ehefrau), denn die Linien II und III Seckendorff-Rinhofen lassen sich weiterhin in Emskirchen bis 1509 mit Grundbesitz nachweisen. Im Herbst 1361 stellte die alte Burggräfin einen Reversalbrief für ihren Sohn Burggraf Friedrich V von Nürnberg aus, dass nach ihrem Tode ihr Wittum ungeschmälert an ihren „lieben sune“ zurückfallen solle. Noch am selben Tag bestätigte Burggraf Friedrich dieses Testament und ließ ein Güterverzeichnis erstellen, in dem genau eingetragen wurde wer im Ort für was welche Abgaben zu entrichten hatte. Emskirchen war in dieser Aufstellung dem Amt Schauerberg zugeordnet. Damit wurde erstmals der gesamte burggräfliche Besitz sowie das in Aussicht stehende Erbe erfasst.
Abb. 3: Grabplatte der 1363 verstorbenen 13 jährigen Anna von Seckendorff (?) in der St Kilians-Kirche Emskirchen. Foto: Thomas Werner. Im Vergleich zu den umliegenden Ortschaften erreichte Emskirchen bereits eine herausragende Stellung unter den Erträgen des Burggrafen und es lässt sich obendrein die Infrastruktur der Ansiedlung erkennen. In Namen wie Fritz Peheim, der in Emskirchen Abgaben für sein Vogtrecht zu leisten hatte, oder dem Rumel, der mit 1/2 Pfund Haller und einem Huhn zinste, wird nun die Anbindung an die Reichsstadt Nürnberg spürbar, in der seit 2-3 Generationen gleichnamige Patriziergeschlechter und Handelshäuser ansässig waren. Auf der westlichen Aurachseite blieb aber der Einfluss der Seckendorff erhalten, die gegenüber dem Burggrafentum einen relativ selbständigen Eindruck vermitteln. Friedrich Bitterkraut, der älteste Sohn des verstorbenen Heinrich, richtete sich mit seiner Familie auf dem nahe gelegenen Rittergut Buchklingen ein und seine Nachkommen oder Anverwandten nutzten die Emskirchener Pfarrkirche vielleicht sogar als Grablege (Abb. 3). Im Jahr 1378 ließ der Burggraf dann eine weitere Liste seiner Einkünfte erstellen. Offensichtlich war er in Geldnöte geraten, denn das Testament seiner Mutter sowie der Nachweis seiner Einkünfte machten ihn kreditwürdig. Er musste sich schließlich gegen seinen Feind rüsten, die Reichsstadt Nürnberg. Die drohenden Kampfhandlungen blieben auch nicht aus und 1388 berichtete der Obristenhauptmann Ulman Stromer, der während des Städtekrieges im Dienst seiner Heimatstadt Nürnberg stand, in dem „Püchel von meim geslechet und von abentewr“, dass Emskirchen neben einer Reihe anderer Ortschaften niedergebrannt worden war. Trotz solcher Rückschläge verstand es die Gemeinde aufgrund der günstigen Verkehrslage an Bedeutung zu gewinnen. Sie war nicht mehr nur Sitz der Pfarrkirche, sondern schaffte es auch die ehemaligen Ämter Schauerberg und Rennhofen an sich zu ziehen und zum Marktflecken aufzusteigen. Dafür könnten die Nürnberger Handelshäuser ebenso verantwortlich sein wie der Kleinhändler Lutz Hock, der mit zwei Schilling Haller und zwei Hühnern beim Burggrafen veranlagt war. Hier entließ der Geleitsmann die nach Westen ziehenden Kaufmannszüge aus seiner Verantwortung oder nahm entgegenkommende in Empfang. Die Ausstellung zum Thema ist seit dem 2. November im Heimatmuseum Emskirchen zu sehen. Thomas Werner |