Altstadtverein St. Michael Fürth
Altstadtbläddla
|
Ausgabe 36 |
|
Jürgen Schimmel und die Zauberwelt der Gefühle Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, sagte einmal: "Das visuelle Denken nähert sich dem unbewußten Vorgang mehr als das verbale Denken, es ist älter als dieses." Mit dieser Erkenntnis nähern wir uns dem Werk von Jürgen Schimmel am ehesten. Als Vorbilder nennt er – dementsprechend, möchte man hinzufügen - Max Ernst, Salvador Dali, Pablo Picasso, Francis Bacon und Alberto Giacometti. Eigentlich sollte alles ganz anders kommen: Der Vater wollte zwar selbst Künstler werden, aber mit Familie und drei Kindern war eine solche unsichere Existenz nicht möglich und so wurde er angestellter Grafiker. Der Sohn Jürgen Schimmel sollte etwas solides, bodenständiges lernen und er sträubte sich auch keineswegs. Also studierte er Betriebswirtschaft. Nach dem Studium ging er in das Berufsleben und nach einigen Jahren bekam er von einer Consulting Firma eine Führungsposition angeboten. Zum ersten Mal in seinem Leben stand er vor der Frage: Wie führe ich Menschen? Idealistisch versuchte er sich in einem "menschlichen Führungsstil", wie er sich ausdrückt. Gerade eine Mitarbeiterin, für die er sich besonders eingesetzt hatte, inszenierte im folgenden Intrigen gegen ihn – eine schwer menschliche Enttäuschung, die eine sensiblen Menschen wie Jürgen Schimmel schwer traf. Er kündigte, erlebte aber in der nächsten Firma eine ganz ähnliche Enttäuschung: Wieder stellte sich eine Gruppe von Mitarbeitern gegen ihn. In dieser Situation habe er den Glauben an die Menschheit verloren und erlebte einen Zusammenbruch. Heute sagt er, er habe sich auch falsch verhalten, da aufgrund von Erlebnissen als Kind einfach zu viele unterbewußte Ängste in solchen Situationen bei ihm durchbrechen, wie er später durch die Psychoanalyse erfuhr.
Jürgen Schimmel in der Freibank-Galerie. Foto: A. Mayer. Er kündigte, fiel psychisch in eine tiefes Loch und sah dessen Rand nicht mehr. Herzbeschwerden und eine Angstneurose gesellten sich hinzu. Der Amtsarzt des Arbeitsamtes schickte ihn in eine psychosomatische Klinik. Im April 1999 schenkte ihm sein Vater zum 35. Geburtstag eine Staffelei. Die Malerei brachte eine deutliche Verbesserung des Gesundheitszustandes von Jürgen Schimmel, sein Psyche stabilisierte sich. Durch eine folgende Psychoanalyse in Freudscher Tradition kam er auch den Gründen für seine Labilität in kritischen Phasen auf die Spur: Die unterbewußten Ängste sind in der Kindheit entstanden, als die Mutter fast an einer Herzmuskelschwäche starb. Diese Ängste führten zu falschem Verhalten, er scheute generell vor Entscheidungen , was sich mit einer Führungsposition nicht vereinbaren ließ. Neben der Einsicht in sein Seelenleben war die Psychoanalyse aber auch eine Quelle für seine Kunst. In etwas mehr als zwei Jahre hat sich Jürgen Schimmel ein beachtliches Niveau erarbeitet. Nach mehreren Ausstellungen zusammen mit anderen Künstlern wagte Jürgen Schimmel im Oktober 2001 in der Galerie in der Freibank seine erste Einzelausstellung unter dem Titel "Zauberwelt der Gefühle". Gisela Nowack von einem kleinen unkonventionellen Künstlerkreis sprach die Laudatio: "Diese Galerie der Bügervereinigung Altstadtviertel St. Michael hat sich ein bemerkenswertes Motto gestellt, das in anderen Städten zur Nachahmung empfohlen werden sollte, nämlich‚ vorwiegend jungen, unbekannten Künstlern bzw. unangepaßter Kunst eine Darstellung in der Öffentlichkeit zu ermöglichen, frei von jeglichen Zwängen kommerzieller Konzepte. In dieser Art und Weise, also mit ungewöhnlichen Ausstellungen Lesungen etc. möchte sie ein lebendiges Forum für kulturelle Begegnungen in Fürth schaffen‘... Und es ist wirklich eine unwahrscheinlich anerkennenswerte Vertrauenssache, hier diese ureigensten Bilder, diesen Einblick in Abgründe, Verzweiflung, seine Angstbekämpfung, aber auch seine Freude und Hoffnung einem breiteren Publikum vorzustellen. Sich der Kritik stellen zu müssen, obwohl man doch noch selber an sich zweifelt, ist wirklich ein sehr großer Vertrauensbeweis." Wir freuen uns, daß Jürgen Schimmel unserer Galerie und dem Kurator Robert Schönlein dieses Vertrauen entgegengebracht hat. Gisela Noack wies im übrigen mit Recht darauf hin, daß Jürgen Schimmel keine Angst vor Kritik haben muß, denn seine "Bilder sind faszinierend und ziehen einen in den Bann, ob man es will oder nicht". Dem ist nichts hinzuzufügen. Alexander Mayer |