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Ausgabe 36


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Poppenreuth

Der Ort

Poppenreuth liegt im Fürther Osten zur Stadtgrenze nach Nürnberg. Der Ortskern ist heute noch sehr bäuerlich geprägt. In den letzten Jahren wurden im Ortskern sehr viele Häuser renoviert und die stark befahrende Poppenreuther Straße wurde verkehrsberuhigt und neu gestaltet. Im Ortskern wurde auch ein Brunnenhaus, durch den Arbeitskreis Dorfgestaltung Poppenreuth, errichtet. Um Poppenreuth haben sich heute viele Firmen und Handwerksbetriebe, wie Ikea, Adler und namhafte Betriebe, ansiedelt.

Die Entstehungsgeschichte des Ortes Poppenreuth liegt bis heute im Dunkeln. Es wird vermutet, dass der Ort schon um 800 besiedelt war. Über der Gründung von Poppenreuth sind keine Urkunden mehr auffindbar, die wurden im Dreißigjährigen Krieg nach Nürnberg geschafft und kamen von dort nicht mehr nach Poppenreuth zurück. Sie würden wohl mehr über die Geschichte aussagen, als wird heute vermuten. Vielleicht lagern die Urkunden noch unentdeckt in Nürnberg in einen Keller oder Archiv.

Kirche

Die Pfarrkirche St. Peter und Paul ist eine der ältesten Kirchen des Knoblauchlandes, sie ist als Tochterkirche der ehemaligen Königskirche St. Martinskirche (Martinskapelle) in Fürth anzusehen. Die Kirche ist die Mutterpfarrei von St. Sebald in Nürnberg bzw. deren Vorgängerbau, der um 1050/60 gegründeten St. Peterskapelle. 1387 legte eine päpstliche Bulle die Zusammengehörigkeit beider Kirchen fest, die 1402 dann zur Auflösung kam.

Ablaßbriefe aus den Jahren 1414, 1460, 1465 und 1510 lassen auf eine rege Bautätigkeit am Ausgang des Mittelalters schließen; der Westturm ist der älteste erhaltene Bauteil und stammt vermutlich aus dem früheren 15. Jahrhundert. Der Chorbau wird 1522 vollendet und wird Hans Behaim den Älteren zugeschrieben, ebenso das Turmkranzgeschoss; die eigenartige Gliederung der Chorstrebepfeiler hat eine unmittelbare Entsprechung im von 1474 datierten Langhaus der Pfarrkirche in Volsbach (Landkreis. Pegnitz). Die Jahreszahl 1456 steht über dem Eingang zum Turm der Kirche. Die Pfarrei Poppenreuth wurde in einem Vergleich mit dem Bischof zu Bamberg der Sebaldus-Kirche in Nürnberg einverleibt. Der Rat zu Nürnberg erhielt das Präsentationsrecht und zahlte dafür der Domprobstei Bamberg alljährlich 433 Gulden. Die Jahreszahl 1533 befindet sich an der Friedhofsmauer gegenüber dem Chor.

Die Kirche wurde einige Male durch Kriegshandlungen ausgeplündert und niedergebrannt. Die Jahreszahl 1583 am Chorhaupt kann sich nur auf Wiederherstellung nach den geringen Zerstörungen von 1547 durch Truppen des Herzog Albert und den Brandschäden des Bundesständischen Krieges 1552 beziehen.

Nach wiederholten Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg dürfte vor allem das in der Anlage ebenfalls spätmittelalterliche Langhaus baulich weitgehend erneuert worden sein, auch die Freskofragmente aus dieser Zeit. Die Orgel der Kirche wurde 1631 nach Nürnberg geschafft und kam nicht mehr zurück. 1654 wurde eine neue Orgel angeschafft, die so klein war, dass man sie hin und her tragen konnte. 1694 glich die Kirche eher einem Stadel als einem würdigen Gotteshauses. Im Jahr 1700 wurde für die Kirche neue Orgel angeschafft. Die alte Orgel wurde nach Eltersdorf verkauft.

In der Nacht vom 25./26. Juli 1771 schlug der Blitz in den Kirchturm und zerschmetterte einen Sparren und ging dann auf einen Draht herab in das Schulhaus.

An die ehemalige Gruft der Nürnberger Patrizierfamilie von Löffelholz im Chor erinnern drei Totenschilde an der rechten Wand (neu 1984). Um die Kirche befand sich auch der Friedhof, der wurde dann aufgelassen, noch heute befinden sich dort alte Grabsteine. Der neue Friedhof wurde im Jahr 1873 in der Schneegasse angelegt und die Leichenhalle im Jahr 1881 errichtet.

Anläßlich der umfangreichen Renovierung in den Jahren 1859/60 erfolgte vor allem Erhöhung der Langhausmauern und der dortigen Fenster, eine Anfügung (der 1910/11 wieder entfernten) Strebepfeiler und ein neuer Emporeneinbau. Eine Südansicht des Kirchengebäudes aus der Zeit vor dem Umbau wird jetzt in der Kirche aufbewahrt, im Staatsarchiv Nürnberg ferner Maßaufnahmen zur Planung dieses Umbaues. 1910/11 erfolgte eine Instandsetzung des Turmes, ferner wurde die neue Süd-Portalvorhalle errichtet. Anläßlich der Innenrenovierung wurde 1953 die Vorhalle im Turmgeschoss als Kriegergedächtnisstätte ausgestattet.

Geschichte

Der Name Poppenreuth kommt von Poppo, das ist ein alter deutscher Name. Es wird auch vermutet, dass der Ort im 9. Jahrhundert durch einen Grafen Boppo gegründet wurde. Poppenreuth gehörte vermutlich zu dem Königlichen Meierhof nach Fürth.

Der Sage nach, soll der Heilige Sebaldus im Wald von Poppenreuth gelebt haben. Laut Sage, soll er mit Eiszapfen Feuer gemacht haben. Er hat seinen Umhang auf die Donau gelegt und soll damit über den Fluß gefahren sein. Nach seinem Tode soll er auf einem Ochsengespann gelegt worden sein und die Ochsen sollen ihn bis zur Stelle, wo heute die Kirche St. Sebald in Nürnberg steht, gefahren haben. Ein Wandteppich von 1410 im Germanischen Nationalmuseum gibt mit der sagenhaft überlieferten Überführung des toten Sebald die älteste, wenn auch nur schematische Darstellung der Poppenreuther Kirche. Die sterblichen Überreste des Heiligen Sebaldus sind heute in der St. Sebald Kirche aufbewahrt.

Um 1200 war die Kirche schon vorhanden, ein erster Bau wurde vielleicht schon um 850 errichtet. Im Jahr 1303 schenkte der Burggraf Konrad III die Güter von Poppenreuth an den Domprobst von Bamberg. In den Stiftungsbriefen des Burggrafen Konrad III im Jahr 1307 und 1314 werden Stiftungsgüter von Poppenreuth aufgezählt. 1350 schenkten Hedwig und Walter Santmann den Kloster Heilsbronn einen Garten mit 3 Morgen. 1350 wird auch eine Schmiede in Poppenreuth genannt. Im Jahr 1430 wurden die meisten Gebäude durch die Hussiten niedergebrannt. Ausserdem ließ der Nürnberger Rat die domprobsteilichen Häuser ausplündern als Rache für die Niederbrennung der Nürnberger Häuser. Der Städte- und Albertinischen Krieg im Jahr 1448 verschonte Poppenreuth, weil die beiden Parteien mehrere Untertanen hatten. 1449 zog der Markgraf Achilles mit einem starken Haufen von Soldaten nach Fürth, wo sie dort etliche Häuser niederbrannten. Einige Soldaten suchten Poppenreuth heim und brannten die Häuser der Nürnberger Untertanen nieder.

Der Bauernkrieg im Jahr 1524 verschonte den Ort auch nicht. Ein fanatischer Pfarrer aus Eltersdorf stachelte die Bauern gegen die Herren auf. Der Aufstand wurde durch die Nürnberger niederschlagen, dreizehn aufrührerische Bauern, darunter auch der Pfarrer aus Eltersdorf, wurden mit dem Schwert enthauptet. Ein Steinkreuz am Kreuzsteinweg erinnert heute an dieses blutige Ereignis an der Stelle.

1547 wurde die Kirche durch ein kaiserliches Heer unter Herzog Albert ausgeplündert. Der 13. Mai 1552 war, im zweiten Markgrafenkrieg, der schlimmste Tag in der Geschichte von Poppenreuth. Der Ort wurde durch dem Markgraf Albrecht von Bayreuth geplündert und die Häuser und Kirche wurden niedergebrannt. Er nahm auch die vier Glocken vom Kirchturm herunter und nahm sie mit.

Im 30jährigen Krieg

Der dreißigjährige Krieg brachte Hungersnot und Seuchen. Das Schreckensjahr im dreißigjährigen Krieg war das Jahr 1631. Am 6. August quartierten sich sieben österreichische Reiterkompagnien ein und blieben drei Wochen. Pfarrer Rößner und einige Einwohner von Poppenreuth flüchteten nach Nürnberg. Sie nahmen aus Sicherheitsgründen von der Kirche die Orgel und die gesamten schriftliche Unterlagen des Ortes mit nach Nürnberg. Orgel, Unterlagen und Pfarrer kehrten nicht mehr zurück.

Am 2. November 1631 kam Feldherr Tilly in die Gegend. Die Bewohner versteckten ihre Habseligkeiten in der Kirche und flohen. Als die Bewohner Ende Januar 1632 zurückkehrten, fanden sie die Kirche bis auf das letzte ausgeplündert vor. Am 21. März 1632 kamen die Schweden in Poppenreuth an, die mit den kaiserlichen Truppen vor Nürnberg im Kampfe lagen.

In der Zeit vom 22. Juni bis 8. September 1632 kam große Not und Elend über Poppenreuth. Die Truppen nahmen alles mit, was sie vorfanden, sogar von den Äckern das Getreide. In der Nähe von Poppenreuth überfielen die Kroaten die schwedischen Posten und nahmen 200 Pferde mit. Im September 1632 lebte nur noch ein viertel der Bewohner in Poppenreuth, der Rest war geflohen. 1634 überfielen die Truppen der Forchheimer Festung den Ort Poppenreuth und nahmen die Pferde mit.

Steinkreuz am Kreuzsteinweg mit Blick auf Poppenreuth. Foto: Wolkersdörfer.

Wiederaufbau

Der Ort wurde nach dem dreißigjährigen Krieg wiederaufgebaut. 1650 wurde der Tabakbau eingeführt und 1680 wurden in Poppenreuth die ersten Kartoffel angebaut. Im Jahre 1732 kamen die ersten Salzburger Religionsflüchtlinge nach Poppenreuth und der größte Teil zog nach Preußen weiter. Nur einige davon blieben als Mägde und Knechte hier. 1756 quartierten sich während des siebenjährigen Krieges Soldaten ein. 1787 ist Poppenreuth ein Nürnberger Pfarrdorf und gehörte zum Gericht Cadolzburg.

Preußen und Franzosen

Am 3. Juli 1796 besetzten die Preußen Poppenreuth und wurden dem Markgrafen von Ansbach unterstellt. Der Nachbarort Ronhof gehörte zu Bayreuth. Die Ortschaften Steinach, Bislohe, Sack und Braunsbach, wurden der französischen Herrschaft unterstellt. Am 10. Dezember 1800 marschierten 3000 Franzosen durch den Ort in Richtung Lauf und kamen nach einigen Tagen wieder zurück. Am 22. Dezember wäre es fast zu einer Schlacht vor Poppenreuth zwischen den Franzosen des General Angereau und der Reichsarmee gekommen. Die Truppen hatten damals in breiter Front Aufstellung genommen. Der Feldherrnhügel der Reichsarmee war der Turm des Bisloher Schlosses, auf dem die Franzosen ihre am Kronacher Waldrand massiert stehende Artillerie gerichtet hatten. Waffenstillstandsverhandlungen hielten beide Parteien zurück, ihre Kräfte zu messen.

Am 11. Januar 1801 zogen die kaiserlichen Truppen der Festung Würzburg durch Poppenreuth. 1806 wurde zum ersten Mal der Zoll erhoben und Poppenreuth wurde Zollstation und dem Hauptzollamt Fürth unterstellt. Am 20. Mai 1806 kam Poppenreuth zum Königreich Bayern. Am 22. März 1812 brannte die Stallung des Gasthofes Schwarzer Adler nieder. 1833 brannten durch einen großen Feuer einige Bauernhöfe nieder. 1839 hatte der Ort 325 Einwohner.

Eisenbahn und Kanal

Auf der heutigen Trasse der A 73 Frankenschnellweg führte der ehemalige Ludwig-Donau-Main-Kanal an Poppenreuth vorbei. Am 6. März 1843 wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal eröffnet und Poppenreuth hatte auch einen Kanalhafen, der sich auf dem Gelände des heutigen Novotel befand. Am 20. Mai 1843 traf das erste Schiff mit einer Ladung im Poppenreuther Kanalhafen ein. Der Kanal verlor aber bald an Bedeutung. Das Wasser des Ludwig-Donau-Main-Kanal wurde während des Zweiten Weltkrieg abgelassen. Auf der Trasse des ehemaligen Ludwig-Donau-Main-Kanals befindet sich heute die Schnellstraße A 73, die wurde im Jahr 1972 eröffnet.

Am 1. Oktober 1843 wurde die Einbahnlinie Nürnberg – Bamberg, der sogenannten Nord – Süd Bahn, eröffnet. Poppenreuth hatte auch eine Bahnstation bekommen, die bis zur der Auflassung der Bahnlinie am 1. Oktober 1876 bestand. Die Bahnlinie wurde dann über Fürth geleitet. Vom Bahndamm der Nord – Süd Bahn ist heute fast nichts mehr zu sehen.

Eingemeindung

1844 stellten 16 Bewohner von Poppenreuth den Antrag an den Magistrat Fürth, den Kanalhafen und die Umgebung in das Stadtgebiet Fürth einzugliedern. Am 8. August 1856 wurde der Gemeinde jedoch mitgeteilt, dass der Antrag auf Eingemeindung nach Fürth abgelehnt wurde. Am 1. Oktober 1898 fand eine Gemeindeversammlung statt. Der von der Stadt Fürth in Auftrag gegebene Kommissariatsbericht vom 4. November 1898 spricht sich eindeutig für die Eingemeindung nach Fürth aus, da zu befürchten sei, dass sonst Nürnberg zu Zuge komme. Am 28. November 1898 wurde die Eingemeindung nach Fürth beschlossen. Am 31. Dezember 1899 um 9.30 Uhr fand der Festakt zur Eingemeindung der bis dahin selbständigen Gemeinde Poppenreuth nach Fürth im Fürther Rathaus statt. Die Eingemeindefläche betrug 345 Hektar, 104 Anwesen und 950 Einwohner. Die Eingemeindung Poppenreuths wurde am 1. Januar 1900 vollzogen.

Robert Schönlein

 

 

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