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Ausgabe 36


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Die Brauerei Mailaender in Fürth

Im Juli dieses Jahres feierte das Jüdische Museum Franken in Fürth den zweiten Jahrestag seines Bestehens. Zu diesem Anlaß entstand eine kleine Sonderausstellung mit Schenkungen und Neuerwerbungen aus den letzten beiden Jahren, die den Museumsbestand erweitert und bereichert haben. Dazu gehören auch Fotos, Bierkrüge und andere Werbeartikel der Fürther Brauerei Mailaender - Bergbräu.

1862 gründete Wolf Wilhelm Mailaender (1820-1871) durch Ankauf der Brauereien Stengel an der Weinstraße (heute Rudolf-Breitscheid-Straße) und Timmich an der Baeumenstraße die Brauerei Mailaender. Sie entwickelte sich bis 1888 nach Grüner, Humbser und Evora & Meyer zur viertgrößten Brauerei Fürths, mit einem jährlichen Malzverbrauch von ca. 12.000 Hektolitern.

Nach Privatunterricht, einer Handelslehre bei Salomon Berolzheimer in Fürth und vier Jahren als Handlungsreisender für den Bamberger Kaufmann Emanuel Dessauer übernahm der gebürtige Diespecker 1844 die Leitung der Hopfenhandlung seines Stiefvaters Isaac Rosenbaum in Diespeck.

Porträt Wolf Wilhelm Mailänder wohl um 1870, Original in der "Mailaender-Vitrine" des Jüdischen Museums (Raum 15). Repro: A. Mayer

1847 nach seiner Heirat mit Jeanette Hesselberger hatte sich Mailaender zunächst als Schnittwarenhändler in Fürth niedergelassen, da ihm eine Konzession als Produktenhändler für Talk, Flachs, Hanf und Hopfen bis 1853 verwehrt wurde. Hopfenhandel war im 19. Jahrhundert in der Region Nürnberg-Fürth ein Gewerbe mit hohen Gewinnen, die Mailaender in Brauereien und Immobilien investierte.

Seine Söhne Leonhard und Paul verlegten 1883 die Braustätte von der Baeumenstraße in einen Neubau auf der Schwand über der Wolfsschlucht (Fritz-Mailaender-Weg 15), wo sich anders als in der Innenstadt weitere Expansionsmöglichkeiten boten. Die alten Gebäude dienten bis 1895 noch als Hopfenstadel und wichen schließlich dem 1903 fertiggestellten Neubau des Theaters.

Seit dieser Zeit bürgerte sich zunehmend der Name "Bergbräu" für die Brauerei Mailaender ein. Um die Jahrhundertwende war Mailaender die fünftgrößte Fürther Brauerei mit einer Jahresproduktion von ca. 40.000 Hektolitern Bier.

Ab 1920 leitete Paul Mailaenders Sohn Fritz (1897-1984), der in Weihenstephan Brauwesen studiert hatte, den Familienbetrieb. Während der NS-Zeit geriet das jüdische Unternehmen zunehmend unter Druck. Die Brauerei wurde 1938 nach dem Novemberpogrom arisiert. Unter enormen Druck mußte Fritz Mailaenders Mutter Alice Grundstücke zu Spottpreisen veräußern. Bereits vor dem Pogrom abgeschlossene Kaufverträge wurden annulliert, die Verkaufspreise zwangsweise auf ein Zehntel des vorher beurkundeten Verkehrswertes gesenkt. 1940 und 1941 erwarb die arisierte "Bergbräu GmbH", vertreten durch Generaldirektor Karl Schrempp aus Karlsruhe, Grundstücke aus dem Besitz Familie Mailaender.

Bierkrüge und Werbeartikel der Bergbräu in der "Mailaender-Vitrine" im Themenbereich "Bewahrung" des Jüdischen Museums (Raum 15). Repro A. Mayer

Nach dem Novemberpogrom 1938 zog die Familie Mailaender nach Nürnberg und im April 1939 emigrierte Fritz Mailaender mit Frau und Sohn nach Palästina. Seine Mutter erhielt im März 1940 ein Visum für die Schweiz. 1954 kehrten Fritz, Irene und Alice nach Fürth zurück und übernahmen die restituierte Firma.

Bis 1974 blieb der Betrieb, inzwischen in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, in Familienbesitz. Durch eine Kapitalerhöhung erwarb die Patrizier AG die Aktienmehrheit und legte die Brauerei 1977 still. Zu Beginn der 1980er Jahre mußten die Brauereigebäude an der Wilhelmstraße einer Eigentumswohnanlage weichen.

Monika Berthold-Hilpert

 

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