Altstadtverein St. Michael Fürth
Altstadtbläddla
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Ausgabe 36 |
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Jahresbericht der AG Archäologie für das Jahr 2001 Die Arbeitsgruppe Archäologie gründete sich 1997 anläßlich einer Gestaltungsaktion in der Pfarrgasse 1 (siehe Jahresbericht am Anfang des Heftes sowie Altstadtbläddla 33, S. 19, und 32, S. 34). Sie hat es sich zur Aufgabe gestellt, "...den Verlust von im Boden befindlichen Kulturgütern der Fürther Stadtgeschichte vorzubeugen sowie durch Dokumentation der Befunde und Analyse der gefundenen Gegenstände das Quellenmaterial zur Stadtgeschichte zu bereichern". Die Stadt Fürth stellte der Arbeitsgruppe dankenswerterweise einige Räume im Keller des Rathauses zur Verfügung. Die Arbeiten im Keller haben wir mit der Einrichtung eines Magazins für die Funde anhand von ausrangierten Metallregalen, die wir wieder zusammenschrauben mußten, weiter vorangetrieben. Gleichzeitig erfolgte die Herrichtung unseres Kellerraumes durch die Stadt Fürth mit wischbaren Bodenbelag und Installation eines Heizkörpers. Dadurch sind die Arbeitsbedingungen wesentlich erleichtert worden, da jetzt die Bearbeitung und Aufbewahrung unserer Funde von den Schriftarbeiten getrennt sind. Eine Computeranlage von Andreas Faisst für eine EDV gestützte Erfassung unserer Funde und Fundstellen leistet uns dabei große Hilfe. Außerdem haben wir begonnen, eine kleine Bibliothek mit Archivalienkopien und archäologischer Fachliteratur sowie Fundstellenordner anzulegen. Ende Februar wurde der Amtsleiter im Landesamt für Denkmalpflege (LfD) in der Außenstelle Nürnberg, Herr Dr. Robert Koch, in den Ruhestand verabschiedet. Am 19.2.01 machte Dr. Koch seinen Abschiedsbesuch bei uns im Keller. Wir nutzten die Gelegenheit, ihn durch die Grabung im Stadlershof zu führen und ihm unser Fundmaterial von dort zu präsentieren. Drei Wochen später, am 13.3.01, waren Ralf Röder und Michael Gottwald zu einem Antrittsbesuch bei Dr. Kochs Amtsnachfolger Herrn Martin Nadler M.A. in Nürnberg. Wir möchten an dieser Stelle im Rahmen unserer Berichterstattung Herrn Dr. Koch für die vielen Anregungen und Hilfestellungen seit Gründung der Arbeitsgruppe unseren Dank aussprechen. Am 24.9.2001 haben wir während unseres montäglichen Treffens ein Grabungsessen in den Räumen der Freibank veranstaltet, bei dem uns Michael Gottwald die bereits restaurierten Keramikfunde aus dem Kranzwirtshof vorstellte und erläuterte sowie Dias von den Grabungsbefunden zeigte. Am darauf folgenden Tag (25.9.01) unternahmen wir eine Exkursion zur aktuellen Ausgrabung im Innenhof der Kaiserburg Nürnberg, wobei uns der örtliche Grabungsleiter, Thomas Liebert, durch die Grabung führte und die Probleme der Burggrabung erläuterte. Anschließend waren wir noch im LfD und haben uns unsere restaurierten Funde vom Kranzwirtshof bei Herrn Nadler abgeholt.
In unserem Arbeitskeller im Rathaus: v.l.n.r.: Ralf Röder, Michael Gottwald, Michaela Dobner. Foto: Thomas Werner Die Ausstellungen Durch die freundliche Unterstützung der Stadt Fürth konnte Ralf Röder zwei Standvitrinen und zwei Stellwände besorgen, die im Flur des 1. Stocks im Hochbauamt (Bauaufsicht) Rudolf-Breitscheid-Straße aufgestellt werden konnten. Eine erste Vitrinenausstellung wurde kurz vor Weihnachten 2000 realisiert mit den Funden aus der Kreuzstraße. Die Ausstellung nahm nicht nur Bezug auf die einzelnen Fundgegenstände, sondern entwarf auch einen Einblick in die frühe Siedlungsgeschichte Fürths vor 1000 Jahren. In einer zweiten Vitrinenausstattung in der Bauaufsicht haben wir am 25.6.2001 die Funde von der Burg Plankenstein über dem Truppachtal in der Fränkischen Schweiz, die Michael Gottwald und Jürgen Degen seit Jahren an den Hängen der Burg aufgelesen haben, in den Vitrinen ausgestellt. Sie geben einen Überblick über die Lebensweise auf einer mittelalterlichen Burg in Franken und sind zur Zeit noch zu besichtigen.
Fundpräsentation in der Freibank: v.l.n.r.: Michaela Dobner, verdeckt Christian Černy, Ralf Röder, Erika Röder, Michael Gottwald. Foto: Thomas Werner Unser Projekt "Museum im Schaufenster" hatte diesmal die "Knopfmacher und Knochenschnitzer vom Ochsenhöflein" zum Thema. Die Austellung war vom 5.2. bis 1.10.2001 im Fenster der Freibank am Waagplatz zu sehen. Hier konnte das neu entdeckte Handwerk aus der Pfarrgasse etwas ausführlicher dargestellt werden, als es im Altstadtbläddla vom letzten Jahr möglich war. Eine Broschüre als Informationsschrift, die aufgrund einer Pressenotiz vorgestellt wurde, fand auch bei der Jahreshauptversammlung des Altstadtvereins reißenden Absatz. Als nächstes werden im Rahmen dieses Projektes die Funde aus dem Stadlershof vorgestellt. Eine vorläufige Präsentation der Funde im Fenster der Freibank vom 1.10. bis 22.10.2001 hat auf dieses Vorhaben hingewiesen. Für die bevorstehende Präsentation sollen die Möglichkeiten des Schaufensters besser genutzt werden. Die Grabungen Vom 4.11.2000 – 19.5.2001 hat uns die Grabung im Stadlershof in Anspruch genommen. An den Wochenenden und teilweise auch montags haben wir mit drei Schnitten im Anbau, einem im Haupthaus sowie einem im Hof Funde aus der Übergangszeit vom 15. ins 16. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert hinein aufgedeckt (siehe separaten Bericht in diesem Heft). Bei einer Grabung am ehemaligen Wirtshaus "Blaue Glocke" an der Billinganlage vom 21.5. – 26.5.2001 konnte die verheißungsvolle Lage im Austrittsbereich der Rednitzfurt durch die zwei Sondageschnitte vorerst nicht bestätigt werden. Der mächtige Anschüttungsbereich hinter der Flutbrücke läßt sich ins 19.Jhd. datieren und hat - wenn überhaupt – ältere Bodenspuren so stark überlagert, daß eine Gefährdung durch die anstehenden baulichen Veränderungen der Billinganlage nicht zu befürchten ist. Das Fundmaterial, es handelt sich vorwiegend um Fragmente von Sauerwasserflaschen, Porzellan, Steinzeug und Ziegelresten, wurde nicht aufbewahrt. Unsere Grabung im Garten des Steinacher Schlosses vom 7.7.- 21.7.2001 hat auch hier alle euphorischen Erwartungen gedämpft. Die Sondierungsschnitte im Schloßgarten ließen erkennen, daß nach intensivem Abtrag bzw. Erosion junge Auftragsschichten aus dem 19./20.Jhd über dem felsigen Untergrund eingebracht worden waren. Zu nennen sind einige vorgeschichtliche Scherben, die aber keinem Befund zuzuordnen waren. Auf dem angrenzenden Acker Flst. 677 konnte ebenfalls eine vorgeschichtliche Scherbe aufgelesen werden. Eine ehemalige Einfassung des Schlosses durch einen Wassergraben ließ sich von archäologischer Seite nicht bestätigen.
AG Archäologie beim Feiern. Grabungsessen in der Freibank: v.l.n.r.: Michaela Dobner, verdeckt Erika Röder, Ralf Röder, Michael Gottwald, Andreas Faisst, Robert Schönlein, Christian Černy. Foto: Thomas Werner Die Grabung im ehemaligen Kranzwirtshof Gustavstr. 29-31, benannt nach dem abgegangen Wirtshaus "Zum Grünen Kranz" am Eingang zur Waagstraße, wurde vom 28.7. - 10.9.2001 ausgeführt. Die Sondierungsschnitte im Bereich der abgetragenen Häuser des Anwohnerparkplatzes ergab interessante Hinweise zur Siedlungsgeschichte: Die Befunde lassen erstmals den Schluß zu, daß mit dem außergewöhnlich starken Brandhorizont in Kombination mit den gut datierbaren Funden die Einäscherung Fürths im 30jährigen Krieg im archäologischen Material nachgewiesen werden kann. Die Funde einer Ofenkachel des 16. Jhds., des Bandhenkels einer Kanne mit eingedrückten, wellenartrigen Rändern aus dem 14./15. Jhd., polychrome Irdenware der Renaissance mit einem vollplastischen Löwen auf der Schulter, sowie verschiedene Kleinfunde, darunter ein kleine, gedrechselte Dose aus Knochen und ein Rechenpfennig geben Auskunft über das Leben in Fürth vor dem 30jährigen Krieg. Am 29.8.01 besuchte Martin Nadler vom LfD die Grabung im Kranzwirtshof und nahm Funde und Befunde in Augenschein. Alle, die einen Blick in das alte Fürth mit seinen Hinterlassenschaften werfen möchten, laden wir ein, uns in unserem Arbeitskeller im Rathaus aufzusuchen. Kontaktperson: Thomas Werner, Tel.: 736269. Thomas Werner |