Altstadtverein St. Michael Fürth

Altstadtbläddla

 

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Ausgabe 35


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Der neue Kirchenplatz oder: Die Verwandlung der Scheune

Der Kirchenplatz ist - solange der Marktplatz im heutigen Zustand bleibt - der zentrale Platz in der Altstadt. Am St. Michaels-Tag 2000 konnte mit der Einweihung des Gemeindehauses im Rahmen der Kirchweihvorfeier ein langwieriges Bauprojekt abgeschlossen werden.

Erbschaft ermöglicht Sanierung

Eigentlich begann es damit, daß im September 1986 die Regierung von Mittelfranken bei einer Begehung feststellte, daß der Hort am Kirchenplatz nicht mehr den gesetzlichen Vorschriften entspreche. Zunächst faßte die Gemeinde einen Neubau ins Auge. Im September 1987 wurde die Gemeinde St. Michael durch eine größere Erbschaft in die Lage versetzt wurde, dieses Projekt großzügig durchzuführen.

Als Pfarrer Walther Roth im Herbst 1989 die 1. Pfarrstelle übernahm, sah ein Plan vor, den Hort unter Einbeziehung des Rückgebäudes von Gustavstraße 56 am Kirchenplatz zu bauen. Pfarrer Roth konnte den Kirchenvorstand in der Folgezeit jedoch davon überzeugen, den Hortneubau mit einer - in erster Linie funktionalen - Neugestaltung des gesamten Kirchenplatzes zu verbinden.

Die Säule von Heinz Leo Weiß schafft die ideelle Brücke vom Kirchenplatz zum Waagplatz, wo seit 1981 die Weihnachtssäule vom selben Bildhauer steht. Foto: A. Mayer.

Michala wird Löhe-Haus

Zunächst wurde in einem I. Bauabschnitt ab 1995 das "Michala", das ehemalige Schulhaus Kirchenplatz 2, von der Stadt erworben. Dort entstand unter anderem der neue Kindergarten, dessen Innenausbau nach dem "Würzburger Modell" durchgeführt wurde (vgl. Altstadtbläddla 32, S. 34). Ab Mitte 1997 konnte das in "Löhe-Haus" umbenannte Haus bezogen werden: ein 4-gruppiger Kindergarten, die Verwaltung des Diakonischen-Werks, die Zentrale Diakoniestation und der Bayerische Mütterdienst haben hier Platz gefunden. Da sich der Kindergarten heute über zwei Geschosse erstreckt, waren erhebliche Umbauten notwendig. Das südliche "Spielhaus" schließt die nach dem Abbruch des Mesnerhauses (1983) entstandene Baulücke, die neu gestalteten Freianlagen setzen eine fröhlichen Kontrapunkt zu Sandstein und Kopfsteinpflaster, die den Platz dominieren. Ich hoffe, daß die an das Spielhaus anschließende Sandsteinwand noch vom bröckelnden Putz befreit wird.

Bestandschutz und Entkernung

Nach dem Umzug des Kindergartens war der Weg für die nächste Baumaßnahme frei. Nun konnte in einem II. Bauabschnitt der ehemalige Kindergarten Kirchenplatz 6/Pfarrgasse 2 zu einem 2-gruppigen Kinderhort und dem Jungendhaus der Gemeinde umgebaut werden. In der Pfarrgasse 2 waren die Holzbalken in den Decken nicht mehr verwendbar, sie mußten nach einer Totalentkernung durch Stahlbeton ersetzt werden. Ein Neubau wäre wirtschaftlicher gewesen, aber das sehr kleine Grundstück durfte nur noch im Rahmen des Bestandschutzes so dicht bebaut bleiben, wie es nun einmal notwendig war.

Kirche und Pfarrhaus vom Pfarrhof aus gesehen. Foto: A. Mayer.

Nur noch zwei alte Treppen und die renovierte Sandsteinfassade sind damit noch historisch. Im Juli 1999 konnte der Hort und das Jugendhaus eingeweiht werden.

Die Pfarrscheune

Schon zuvor im Februar 1999 begann der III. Bauabschnitt, der Umbau des alten Gemeindhauses am Kirchenplatz 7 und der historischen Pfarrscheune - ehemals für Pfründezahlungen in Naturalien gebaut - am Pfarrhof 1 zu einem neuen Gemeindezentrum. Im Erdgeschoß der denkmalgeschützten Pfarrscheune aus dem Jahre 1700 entstand der große Gemeindesaal (160 qm, gegliedert durch sechs historische Stützen) und unter dem freigelegten Dachgebälk wurde ein akustisch ansprechender Musiksaal geschaffen, wobei erhebliche statische Probleme zu lösen waren, Deckenbalken und Stützen erneuerte man nahezu komplett, auch viele Balken des 300 Jahre alten Dachstuhles wechselten die Bauleute aus, da sie nicht mehr zu reparieren waren. Das "alte" Gemeindehaus Kirchenplatz 7 (1964 eingeweiht) wurde ebenfalls komplett umgebaut und mit einem neuen Verbindungsbau an die Pfarrscheune angeschlossen.

In der Pfarrrscheune mußten viel Gebälk und viele Stützen ausgeweschelt werden.

Brunnen als Brücke zum Waagplatz

Vor dem Gemeindehaus steht nun ein Brunnen, der zuvor 13 Jahre lang versteckt hinter dem Gemeindehaus im "Höfle" stand. Er erinnert an unsere Weihnachtssäule am Waagplatz vom selben Bildhauer, von Heinz Leo Weiß. Und sie setzt die Weihnachtsgeschichte fort: Auf dem obersten Stein erkennt der Betrachter eine Darstellung der Taufe Jesu.

Der Gang der Zeit hat am Kirchenplatz vieles verweht, vieles verblaßt in der Erinnerung. Wer weiß noch mit dem Namen "Michala" etwas anzufangen, wer kennt noch die "Luitpoldlinde", wer kann sich noch an das Mesnerhaus erinnern, wer weiß noch was von der Heiliggrabkapelle oder vom Vorbau am Südeingang, wer erzählt noch von den vaterländischen Volksreden des Pfarrers Fronmüller auf jenem Vorbau zu jedem "Sieg" im Ersten Weltkrieg? – Das Alte und die Erinnerung sind wichtig, aber der Platz und das Leben in der Gemeinde, in der Schule und im Kindergarten zeigen uns, was wichtiger ist.

Der Altstadtverein hat übrigens größere Summen für die Renovierung der fünf Kirchturmuhren und für den Ausbau des Kindergartens nach dem Würzburger Modell zugesteuert. Die Bausumme von 11 Millionen Mark wurden jedoch vor allem durch das Vermächtnis eines Ehepaars aufgebracht, nur etwas mehr als 30 Prozent hat der Steuerzahler "draufgelegt". In jedem Fall eine gute Investition.

Alexander Mayer

 

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