Altstadtverein St. Michael Fürth
Altstadtbläddla
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Ausgabe 35 |
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Dem Völkermord entronnen Er kannte mich nicht, aber ich kenne ihn seit 20 Jahren. Er hat sich in dieser Zeit kaum verändert: Immer gepflegt und mit Hut, schleppender Schritt, hager, einen Schatten Angst im Gesicht. Arno Habedank ging durch die Hölle und konnte danach nicht mehr richtig Tritt fassen, wen verwundert´s. Er wurde 1930 in Ostpreußen nahe Tilsit geboren. Im Alter von 11 Jahren kam er in ein KZ nahe Nemersdorf, getrennt von Eltern und Geschwistern, von denen er später nie wieder etwas hörte. "Dachau, Buchenwald, Auschwitz", vermutet er. Er selbst bekam gleich nach der Einweisung Typhus. 150 Gramm Brot und Wassersuppe waren die Tagesration. Bald kam er in das "Spritzenhaus", wohl so genannt, weil dort mit Todesspritzen die Kranken "erlöst" wurden. Arno Habedank wurde zwar nicht zu Tode gespritzt, aber Naziärzte nahmen einige "medizinische" Eingriffe an ihm vor, die bleibende Verstümmelungen zur Folge hatten. "Diese schreckliche Zeit, diese Qual kann man nicht beschreiben".
Die Erinnerung bleibt: Arno Habedank. Foto: A. Mayer. Nach einem Fliegerangriff auf das Lager entkam er und versteckte sich, bis die Russen in dem Gebiet einrückten. Die Russen mißhandelten den Jugendlichen wieder: "Für die russischen Soldaten war ich auch nur ein Zigeuner, noch dazu ein deutscher Zigeuner". Arno Habedank floh über Rumänien und Ungarn nach Wien. Der Zufall verschlug ihn dann nach Fürth, wo er nun seit 35 Jahren lebt. Entschädigungen wurden ihm lange Zeit verwehrt, die Gerichte sahen keinen Grund hierfür. Erst 45 Jahre nach Kriegsende erhielt er dann eine Entschädigung. Aber durch seine starken Behinderungen, die hauptsächlich aus dem KZ-Aufenthalt herrühren, konnte er beruflich nicht mehr Fuß fassen und die Entschädigung nicht gewinnbringend verwerten, sie mußte für den Lebensunterhalt herhalten.
KZ Auschwitz. In der Eingangshalle der Gedenkstätte liegt in einer Vitrine ein Einlieferungsbuch aus. Auf der aufgeschlagenen Seite mit ca. 40 Namen konnte ich (A.Mayer) unter der Rubrik "Herkunft" zweimal den Eintrag "Fürth" lesen. Dies beeindruckte mich so, daß ich im Januar 1994 beim damaligen Oberbürgermeister Lichtenberg anregte, eine Partnerschaft mit der Stadt Oswiecim (Auschwitz) anzustreben, die von Struktur und Größe ganz gut zu Fürth paßt. Eine Antwort habe ich nie erhalten. Ich verfolgte die Idee dann nicht weiter, da unser Fürth mit einer solchen Partnerschaft – die weltweit Aufsehen erregen würde - wohl doch überfordert wäre. Foto: A. Mayer. Heute lebt Arno Habedank von 170 Mark in der Woche. Abgesehen von einer kleinen aber gepflegten Wohnung ist sein einziger Luxus gelegentlich eine Tasse Kaffee beim "Der Beck" in der Königstraße, vor der er dann meist gut 2 Stunden hockt. "Jetzt wird so viel von Entschädigungen für Zwangsarbeiter geredet. Ich konnte im Lager nicht arbeiten, ich hatte gleich Typhus. Aber vielleicht ist für mich auch noch was möglich". – Prinzip Hoffnung. Alexander Mayer |