Altstadtverein St. Michael Fürth
Altstadtbläddla
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Ausgabe 34 |
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Arne Stahl und das Licht der Toskana
Erinnerung Toskana ist Sehnsucht, so empfanden es schon unsere Großväter und Urgroßväter, wie nicht zuletzt das Fürther Rathaus beweist. Man sitzt im Weingut, betrachtet die Sonne hinter den mittelalterlichen Türmen eines Bergstädtchens, später den Aufgang eines unwirklich riesigen Mondes, dessen kühles Licht die sanft geschwungenen Hügelkurven umrahmt. Durch silbern schimmernde Olivenhaine strampelt keuchend der einsame Fürther zum nächsten Dorf, befestigt an einem Hügel geklebt, auf dem kleinen Platz Cappuccino für ein paar Pfennige, die Zuckerdose wird abgefüllt, um den chronischen Kohlenhydratmangel zu begegnen. Der öffentliche Wasserhahn wird leergetrunken und dann geht es weiter. Plötzlich eine Seniorenradlergruppe, mit der der einsame Fürther in Florenz einfährt wie Jan Ullrich in Paris. Wieder weiter, viel Pastell, einsame Gehölze im Schutz hoher Zypressen, ein Bergstädtchen. Aus einer dunklen Kellertür wird eine Flasche bernsteinfarbigen Weines herausgereicht.
Bild und Vorbild Meine Erlebnisse. Die Bilder von Arne Stahl erkenne ich wieder. Seit 1993 zeigt er alljährlich im trüben Fürther Herbst seine Bilder aus der lichtdurchfluteten Toskana in der Freibank. Arne Stahl, 1963 in Werbeck bei Schweinfurt geboren, studierte Germanistik und Kunsterziehung an der Universität Nürnberg/Erlangen. Dort war Wendelin Kusche sein Lehrer, der in der Tradition des deutschen Expressionismus und der "Neuen Sachlichkeit" steht. Arne Stahl nennt zudem Paul Cézanne als Vorbild in der Landschaftsmalerei und beim Stilleben. Cézanne befaßte sich vornehmlich mit Landschaftsmalerei, malte französische Städtchen, Gebäude und Landschaften und war stilistisch im Impressionismus geborgen, ebnete dabei aber schon den Weg zum Expressionismus. Wer mit den beiden Begriffen nichts anfangen kann (keine Schande): Der Impressionismus entstand in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts im Frankreich. Im Gegensatz zur jahrhundertealten Tradition der Atelierkunst (neutrales Nordlicht und damit kühle Farben) malten sie im Freien, malten Alltägliches. Ihre Farben sind heller, die Konturen unscharf, alles um 1870 ein Sakrileg. Heute gelten diese Bilder als allgemein verständlich und beliebt, was von moderner Malerei ja nicht immer gesagt werden kann. In Ansätzen findet sich bei Cézanne aber auch das, was später für den Expressionismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts typisch wurde: Die vom Maler bestimmte "innere Aussage" des Objekts wird wichtiger als die wahrnehmbare Wirklichkeit, der abgebildete Gegenstand kann verändert und deformiert werden, die Farben haben einen Eigenwert, so kann ein blaues Pferd "richtiger" sein als ein in natürlichen Farben gemaltes. Arne Stahl liegt deutlich näher am Impressionismus und der Betrachter dankt es ihm. In Tübingen stand ich bei einer großen Cézanne Ausstellung lange an (von der Anfahrt ganz zu schweigen), um dann durch eine Ausstellung gedrückt und geschoben zu werden. In Fürth kann ich mir jedes Jahr ganz gemütlich Arne Stahl anschauen, dessen Impressionen mir näher stehen. Ich will natürlich nicht behaupten, Arne Stahl sei besser als der alte Meister, aber ich erkenne mehr an Eindrücken wieder, meisterhaft übersetzt und aus der Toskana überliefert. Das Bergdorf, die Felsenstadt, das Dorf mit Ginster, die Landschaft mit Disteln, das mittelalterliche Felsenstädtchen Pitigliano, die Heckenrosen, die Schmetterlingswiese, die Hügelketten... Leichte spontane Pinselschrift, Atmosphäre, Flimmern, Eindrücke. Wir hoffen, Arne Stahl und die Toskana bleiben uns erhalten. Alexander Mayer Arne Stahl - Internet-Ausstellung ab 15. Januar 2000:
Fotos: A. Mayer |