Altstadtverein St. Michael Fürth
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Ausgabe 34 |
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20 Jahre Fürther Altstadtweihnacht
Die Altstadtweihnacht war und ist das zentrale Ereignis im Vereinsjahr. Die Gründungsväter des Vereins im Jahre 1975 hatten sich eine solche Entwicklung sicherlich nicht vorgestellt. Aber der Markt wurde einfach zum Selbstläufer, auch wenn es immer wieder krisenhafte Zeiten gab. Eigentlich ist jeder November und Dezember Krisenzeit beim Altstadtverein, denn da gilt es die Altstadtweihnacht zu organisieren, wenngleich schon im Mai damit begonnen wird. Wenn ich zum Beispiel im Augenblick (November) daran denke, ob und wie ich die ehrenamtlichen Helfer für die Buden des Vereins zusammenbekomme, dann wird mir leicht übel. Aber das Ergebnis ist halt einfach ein Erlebnis, das in der Region seinesgleichen sucht. Die Idee Es begann im Jahre 1980. Die seinerzeitige Mitinhaberin des kürzlich geschlossenen Ladens "Spiel und Kunst" in der Waagstraße, Frau Ingrid Burkert und ihr Ehemann Manfred hatten zunächst die Idee zur Belebung der Waagstraße. Man wollte einen alternativen, bewußt antikommerziellen Weihnachtsmarkt durchführen, der sich möglichst vom sogenannten Christkindelmarkt einer östlichen Nachbargemeinde abhob. Eine Arbeitsgruppe fertigte Stände mit einheitlich grünen Markisen an (sie sind noch heute im Gebrauch), allerdings schaffte man die projektierte Zahl von 14 nicht ganz. Man lieh sich deswegen Stände aus. Wir brechen uns bestimmt keinen Zacken aus der Krone, wenn ich verrate, daß sie von der örtlichen DKP ausgeliehen wurden. Schon im November stellten wir einen 13,5 Meter hohen Weihnachtsbaum aus dem Veldensteiner Forst am Waagplatz auf.
Die Geschäftsstelle im Bild rechts war schon 1980, die Freibank (links) ab 1989 in die Altstadtweihnacht einbezogen. Foto: A. Mayer. Eröffnung damals wie heute Allerdings setzte man im Winter 1980 erst einmal nur vier Tage an, dafür kurz vor Weihnachten: 18. bis 21. Dezember. Zwei Beteiligte an der vom Bayerischen Rundfunk übertragenen Eröffnung sind als Institutionen heute noch dabei: Die Nürnberger Barockbläser und der Chor des Heinrich Schliemann-Gymnasiums. Die Nürnberger Barockbläser formierten sich im Jahre 1972, Ursprungsgedanke war die Pflege der Barock- und Renaissancemusik. Die Musiker sind Norbert Baier (Trompete, Piccolotrompete), Otto Gittel (Trompete), Thomas Grieninger (Flügelhorn, Trompete), Georg Beckstein (Posaune) und Wolfgang Althaus (Tuba). Bei der Altstadtweihnacht - und nur dort - spielt zudem noch Volkmar Diez mit. Im eigentlichen Berufsleben sind sie Ingenieure, Arzt und Lehrer. Die Nürnberger Barockbläser haben sich weit über den mittelfränkischen Raum hinaus einen Namen gemacht, ihr Repertoire reicht vom anspruchsvollen Passionskonzert bis hin zum unterhaltsamen Kurkonzert. Der Unterstufenchor des Heinrich-Schliemann-Gymnasiums ist seit vielen Jahren eine feste Einrichtung im Wahlkursprogramm der Schule. Es singen ca. 50 Schülerinnen und Schüler der 5., 6. und 7. Jahrgangsstufe im Alter von 10 - 14 Jahren mit. Die Leitung des Chores liegt in den Händen des Musiklehrers des Gymnasiums. Der Unterstufenchor tritt seit der Beginn des Altstadtweihnacht vor 20 Jahren auf dem Waagplatz auf - seit 12 Jahren unter Leitung von Studienrätin Elisabeth Müller. Der Landwirt und Feierabend-Mundartdichter Georg Reichert aus Vogtsreichenbach trug 1980 ein Gedicht zur Eröffnung vor: Zum ärschten Moal und goar net kla / tut doa a Weihnachtsmarkt etz sa...".
Unermüdliche Helfer des Altstadtvereins: Elisabeth Haake mit ihren Töchtern Liselotte Penkert und Renate Haake (v. links nach rechts), hier mit einer Urkunde, die ihren Einsatz würdigt. Foto: A. Mayer.
Aussteller und Stände Und in den Ständen sowie in der Freibank fanden sich 1980 manche, die auch 1999 noch dabei sind: Die Töpferin Edith Lins (siehe gesonderten Artikel) und die Familie Haake. Mutter Elisabeth Haake mit ihren Töchtern Renate Haake und Liselotte Penkert sind heute genauso unermüdliche wie unersetzliche Helfer des Altstadtvereins. Auch UNICEF, der Kindergarten St. Michael und der heutige Nachtwächter Konrad Kurt Knippschild aus Gräfenberg waren 1980 schon dabei, letzterer allerdings zunächst als Teil des Duos Nürnberger Sackpfeifer". Später kam er als Nachtwächter sogar bis nach Japan. Im Musikprogramm fand sich auch der Posaunenchor des CVJM Fürth, der ebenfalls heute noch dabei ist. Der Posaunenchor des CVJM besteht seit 1920 und spielt seit ca. 1950 jedes Jahr zur Kirchweiheröffnung vom Rathausturm und zur Weihnachtsmesse vom Turm der Stadtkirche St. Michael, und dies auch dann, wenn die Instrumente eingefroren sind, was nicht selten vorkommt. Leiter ist seit mehr als dreißig Jahren Hermann Bach. Unser langjähriges Mitglied Oskar Dörr ist auch mit von der Partie. Wenngleich nicht an die Kirchengemeinde gebunden, ist der CVJM Posaunenchor faktisch die Hauskapelle von St. Michael. Am Markt standen damals wie heute Bastelgeschick, Handwerksarbeit und Kunsthandwerk im Vordergrund. Am Ende war man rundum zufrieden: der damalige Vorsitzende Helmut Maurer kündigte schon den nächsten Weihnachtsmarkt an, tausende Menschen hatten zwischen Donnerstag und Samstag den Weg zum Waagplatz gefunden. Die Demonstrationen alter Handwerkskünste hatten entscheiden zur Attraktivtät des Marktes beigetragen: Holzschnitzer, Glasbläser, Weber, Töpfer und Spinnereien waren zu erleben und auch ständig umlagert.
Ohne ihn wären Organisation und Durchführung der Altstadtweihnacht kaum mehr denkbar: Herbert Regel. Foto: A. Mayer
Zweite Altstadtweihnacht 1981 Schon 1981 dehnte der Verein die Altstadtweihnacht auf zehn Tage aus, ein (eigenartigerweise knallrotes) Plakat wurde gedruckt. Das Programmblättchen verzierte schon unser Altstadtweihnachtswappen des kürzlich verstorbenen Fürther Grafikers Siegfried Reinert: das Steckenpferdchen. Der Erfolg des vorangegangenen Jahres hatte einerseits Mut gemacht; andererseits war die Zahl der privaten Bewerber derart angestiegen, daß eine zeitliche Verlängerung um mehr als das Doppelte notwendig erschien. Denn eine räumliche Erweiterung hielt man schon damals für unangebracht: der intim-individuelle Charakter sollte gewahrt bleiben. Die Stände wurden lediglich um zwei vermehrt, so daß 16 Stände und die Geschäftsstelle zur Verfügung standen (die Freibank selbst kam erst 1989 dazu). Erstmals erklangen mit den SRS-Jazzmen auch Dixieklänge am Markt, die heute noch nicht verstummt sind: Ende der 60er formierte sich in Erlangen eine Studentenband unter dem Namen Swinging Reed Section". Zunächst ohne Trompete und Schlagzeug, nur mit Rohrblattbläsern (Klarinetten, Saxophone) - daher der Name - und Saiteninstrumenten spielten sie Dixie und Swing. Im Lauf der Jahre wurde aus Swinging Reed Section die SRS Jazzmen, in der heutigen Besetzung spielen sie nun seit fast 20 Jahren: Jörg Bencker (Trompete, Gesang) Robert Seitz (Klarinette, Saxophon), Hermann Krehn (Trompete, Gesang), Hans Peter Albrecht (Schlagzeug), Ruppert Gubo (Bass) und Gerhard Loos (Banjo). Ihr heiterer, engagierter Oldtime Jazz, ihr swingender Dixieland begeistert in einschlägigen Jazzkneipen, traditionell am Erlanger Berch", im Kärwa-Zelt und sogar - auf der Fürther Altstadtweihnacht.
Stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helfer: die schon legendäre Mannschaft im Bratwurststand mit Herbert Hofmann, Ludwig Luggi" Schmieg und Michael Eitel. Foto: A. Mayer
Der Duft von zimtwürzigem Glühwein, knusprig gebrutzelten Bratwürsten und verlockendem Backwerk und vor allem ein besonderes Flair zogen 1981 zur Eröffnung große Mengen von Fürthern an (seinerzeit blieb man noch weitgehend unter sich). Keine Klischees, kein Christkind, dafür eine fröhliche musikalische Einstimmung mit einem reichhaltigen Musikprogramm. Von "alternativ" zu "traditionell" Auch 1981 sprach man noch vom alternativen" Weihnachtsmarkt, wenig später war es dann die traditionelle" Altstadtweihnacht. Der Waagplatz (der offiziell erst 1985 so heißen sollte) war wieder Kleinod und Anziehungspunkt der Altstadt. Die Presse urteilte unter der Überschrift "Markt für Weihnachtsmuffel": "Auf dem Waagplatz, zwischen Fachwerkhäusern und hübschen Sandsteingebäuden, stehen weihnachtlich dekorierte Buden und kleine Stände, die abends nicht aufwendig, sondern fast gemütlich erleuchtet sind. Das ganze ist überschaubar, tatsächlich intim und individuell". Viel Schnee gab es damals, es war 22 Grad kalt, Freibank und Schuppen waren in einem ziemlich unansehlichen Zustand.
Seit Jahrzehnten ein Renner auf der Altstadtweihnacht: die Handpuppen von Elisabeth Haake. Foto: A. Mayer
Der Bildhauer Heinz-Leo Weiß schuf seinerzeit in zehntägiger Arbeit die Weihnachtssäule. Sie zeigt die Weihnachtsgeschichte von der Geburt Jesu bis zur Ankunft der drei Könige. Kürzlich (1998) ließen wir sie renovieren, sie steht vor dem "Kleinsten Haus" von Fürth. 1982 hieß es dann schon in der Presseinformation: "Im ersten Jahr war sie noch Experiment, im zweiten eine Wiederholung; in diesem Jahr, dem dritten hat sie bereits Tradition: die Fürther Altstadtweihnacht...". Rechtzeitig zur 3. Altstadtweihnacht konnte auch der Schuppen und der Westgiebel der Freibank renoviert werden. Ein Programm aus Kunst, Handwerk und Schmankerln erwartete die Besucher, erstmalig war auch der Nachtwächter als solcher engagiert, nachdem er im Vorjahr privat gekommen war und die Standbeschicker unter der Woche aufmunterte; denn damals ging das Geschäft an Wochentagen oft recht zäh. In der Eröffnungsrede 1982 mußte der Vorsitzende Gerhard Wunschel aber schon vom eventuellen Aus für die Altstadtweihnacht berichten: Das Straßenverkehrsamt stellte plötzlich eine Rechnung für die Sondernutzung auf. Eine Fortführung des Marktes war damit gefährdet. Aber dieses und andere Probleme wurden elegant umschifft, damals wie heute.
Das Vereinsmitglied Klaus Kreitschmann steht dieses Jahr mit einer Bude am Weihnachtsmarkt in Chicago.
Das musikalische Rahmenprogramm gewann mit der Zeit mehr und mehr an Format, da ist vor allem das Thilo-Wolf-Quartett zu nennen (siehe gesonderten Artikel), das Fürther Komödienensemble mit Martin Rassau und Volker Heißmann (heute leider nicht mehr dabei), die Sing- und Musikschule Fürth unter der Leitung von Robert Wagner und viele mehr. Ähnlich ging es bei den Ständen, deren Zahl inzwischen - einschließlich jene in der Freibank - auf 41 angewachsen ist. Am Rande sei erwähnt: Das Vereinsmitglied Klaus Kreitschmann (KMK Musikstudio) ist vom 25.11. bis 23.12.1999 am vierten Christkindlmarket Chicago" (am Daily Plaza) mit einer Bude und einem Angebot an Kleininstrumenten vertreten. Die Standgebühren betragen 6.000 Dollar, Hotel und Flug kommen noch dazu. Wir verlangen am Fürther Waagplatz nicht einmal 400 Mark für einen gleichwertigen Stand! Warum in die Ferne schweifen, das Gute liegt so nah?
Beschließt allabendlich und alljährlich unsere Altstadtweihnacht: Musikant, Nachtwächter und Sackpfeifer Kurt Konrad Knippschild. Foto: Armin Gläsel
Ehrenamtliches Engagement Es gab natürlich auch in Fürth immer wieder von außerhalb Versuche, den Markt räumlich auszuweiten und zu kommerzialisieren. Dem werden wir entgegentreten, solange wir können. Dazu ist aber die Mithilfe der vielen (durchschnittlich 120) ehrenamtlichen Kräfte notwendig, die ich natürlich nicht einzeln aufzählen kann. Hervorheben muß ich allerdings unseren Herbert Regel als tragende Säule. Ohne ihn hätte ich schon längst das Handtuch geworfen. Aber auch mit ihm wäre der Weihnachtsmarkt nicht möglich ohne viele weitere ehrenamtliche Helfer. Ihnen allen ist dieser Artikel gewidmet, ihnen gebührt unser Dank. Alexander Mayer |